Archiv für den Monat: Januar 2016

Ursuli litterati

Lesetipps in Kurzform (Bücher und Links)

Die nächste längere Rezension ist bereits in Arbeit, doch um die Zeit bis zu ihrer Veröffentlichung zu überbrücken, gibt es hier schon einmal ein paar Lesetipps in Kurzform, mit denen sich auch ein Wochenende mit ungemütlichem Wetter gut überstehen lässt.

Buchtipps

Ritter und Elfen, Liebe und Tod

Gerade in der dunklen Jahreszeit kann es großen Spaß machen, sich literarisch in ferne und mythische Welten zu flüchten. Dass dazu nicht immer ein Fantasyroman notwendig ist, beweist diese schöne Anthologie skandinavischer Balladen, die ihre Wurzeln zumeist im Spätmittelalter haben und vom 16. bis ins 19. Jahrhundert gesammelt wurden. Während die Einleitung und der Anhang mit mehr oder minder knappem Kommentar zu jedem einzelnen Gedicht eine kulturhistorische Einordnung erlauben, liegt der Hauptreiz des auch in seiner Aufmachung attraktiven Bandes natürlich in den von der Textgestalt her oft schlichten, aber vor düsterer Fabulierfreude überbordenden Balladen. Hier gibt es Elfen, Werwölfe und in Bäume verwandelte Jungfrauen zu entdecken, aber auch Mord und Totschlag sind nicht fern. Am besten skizzieren lässt sich die vorherrschende Atmosphäre wohl mit der Einschätzung der Herausgeber, dass die Ballade eine Art dunklere und pessimistischere Schwestergattung zum Märchen bildet, dessen verzauberte Welt sie teilt. Aber keine Sorge: Das ein oder andere glückliche Ende lässt sich selbst in diesem Buch finden!

Klaus Böldl, Katarina Yngborn (Hrsg.): Ritter und Elfen, Liebe und Tod. Nordische Balladen des Mittelalters. München, C.H. Beck, 2011, 157 Seiten.
ISBN: 978-3406623950

Pompeii und die Römische Goldküste. Ein Zeitreiseführer in das Jahr 78

Eine ganz andere Art von Phantasiereise lässt sich mithilfe von Karl-Wilhelm Weebers reich  illustriertem „Zeitreiseführer“ unternehmen: Scheinbar an römerzeitliche Leser gerichtet gibt es hier in moderner Sprache reichlich Tipps, um als Tourist in Pompeii und nahegelegenen Orten im Jahr vor dem fatalen Vesuvausbruch einen angenehmen Aufenthalt zu verbringen. Neben den Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten machen vor allem die zahlreichen praktischen Hinweise Spaß, aus denen sich teilweise durchaus einiges über das römische Alltagsleben lernen lässt, während andere Details einfach nur witzig und zeitlos sind (so etwa die Tatsache, dass im kleinen lateinischen Sprachführer des Buchs auch für den Fall vorgesorgt ist, dass man sich über eine Fliege im Essen beschweren möchte). Ganz gleich, ob man nun lieber vom Sightseeing in einer noch unzerstörten Römerstadt träumt oder davon, sich im mondänen Baiae auf ein Fest einladen zu lassen – viel Lesespaß ist hier garantiert.

Karl-Wilhelm Weeber: Pompeii und die römische Goldküste. Ein Zeitreiseführer in das Jahr 78. Darmstadt, Primus Verlag (WBG), 2011, 143 Seiten.
ISBN: 978-3896788054

Linktipps

Wer nicht nur gern liest, sondern auch selbst schreibt, findet auf Skriving interessante Anregungen. Schreibtipps gibt es im Internet zwar wie Sand am Meer, aber viele laufen darauf hinaus, die relativ einförmigen und austauschbaren Stilelemente einzuüben, von denen gerade Unterhaltungsromane heute stark geprägt sind. Auf Skriving ist das ein wenig anders, denn hier finden sich neben schreibtechnischen Empfehlungen (wie den Wochen-Schreibtipps) vor allem charmante Ideen, wie man Inspiration suchen und finden kann – etwa indem man in abstrakten Bildern etwas Konkretes zu erkennen versucht und darüber schreibt, was, wie sich hier und hier zeigt, zu sehr unterschiedlichen Interpretationen führen kann …

Und zu guter Letzt noch ein unliterarischer Tipp, der nach all der geistigen Nahrung für das leibliche Wohl sorgt: Nach wiederholten Selbstversuchen kann ich bestätigen, dass  Moyas Earl Grey Cookies zu den leckersten Keksen gehören, die man backen kann, ganz abgesehen davon, dass sich das Rezept in seinem liebevollen Plauderton auch ausgesprochen nett liest.

Greifen, Grabraub und Gelichter

Werbung in eigener Sache: Greifen, Grabraub und Gelichter

Seit dem Erscheinen von Tricontium sind mittlerweile zweieinhalb Jahre vergangen – höchste Zeit also, den nächsten Ausflug nach Aquae Calicis und Umgebung zu unternehmen!
Mein neues Buch Greifen, Grabraub und Gelichter ist ab sofort im Handel. Diesmal ist es allerdings kein Roman geworden, sondern eine Sammlung kürzerer Geschichten:

Kleine Greifen haben ein gutes Gespür dafür, wo Futter und Wärme zu finden sind – und das kann nicht schaden in einer Welt, in der Kriegerinnen und Diebe gleichermaßen gefährlich leben, kein einziges Weihnachtsfest in frommer Besinnlichkeit verläuft und auch die Totenruhe nicht ungestört bleibt, wenn es nicht umgekehrt die Toten selbst sind, die gerade die Ruhe stören … Fünf Geschichten laden ein zu einem Ausflug (nicht nur) nach Aquae Calicis.

Auch wenn einige Texte ein Wiedersehen mit alten Bekannten bieten, setzt die Lektüre der Anthologie die Kenntnis von Tricontium nicht voraus, sondern nur die Bereitschaft, sich mit kleinen und großen Greifen anzufreunden, vor Kirchendiebstahl ebenso wenig zurückzuschrecken wie vor Wikingerüberfällen und unsachgemäße Ausgrabungen an einem steppennomadischen Kurgan aus der Perspektive einer Grabbeigabe zu erdulden. Für reichlich Tee, Verpflegung und Gespenster ist selbstverständlich wie immer gesorgt.

Greifen, Grabraub und Gelichter ist bei BoD erschienen und als Taschenbuch (ISBN: 978-3739220130, 8,99 EUR) oder als eBook (ISBN: 978-3739286013, in den nächsten 28 Tagen: Aktionspreis 4,99 EUR, danach 5,99 EUR) erhältlich.