Archiv des Autors: Ardeija

Unglaube im Zeitalter des Glaubens

Neu rezensiert: Unglaube im „Zeitalter des Glaubens“

Das Mittelalter gilt oft pauschal als Zeitalter alles dominierender christlicher Frömmigkeit, in dem allenfalls ein paar Häretiker von der Mehrheitsmeinung abwichen, Atheismus aber praktisch unbekannt war. Diese Einschätzung versucht Peter Dinzelbacher in seiner interessanten Studie Unglaube im „Zeitalter des Glaubens“ zu korrigieren und fördert allerlei interessante Beispiele für mittelalterlichen Unglauben zutage. Zur neuen Rezension geht es hier entlang.

Europa und Herr Stier

Neu rezensiert: Europa und Herr Stier

Die Suche nach dem wahren Kern von Sagen ist bis heute populär, aber wie engagiert man sie schon in der Antike zu betreiben wusste, belegen die Unglaublichen Geschichten des Palaiphatos, der zur Zeit Alexanders des Großen versuchte, eine rationale Erklärung für die altgriechischen Mythen zu finden. Mehr über Kai Brodersens Ausgabe des lesenswerten Klassikers in der neuen Rezension.

Akanthus und Zitronen

Neu rezensiert: Akanthus und Zitronen

Es wird auf Ardeija.de wieder einmal Zeit, einen Ausflug ins alte Rom zu unternehmen – diesmal allerdings zur Abwechslung in seine Gärten und ihre modernen Rekonstruktionen. Stephanie Hauschild führt in Akanthus und Zitronen mit leichter Hand durch das komplexe und spannende Thema und gibt auch praktische Tipps, um eine Hauch Römerzeit in den eigenen Garten zu bringen. Die neue Rezension ist hier zu finden.

Sieben Fakten

Sameena Jehanzeb von Moyas Buchgewimmel – Bloggerin, Grafikerin und Autorin des lesenswerten Romans BRÏN – hat im Rahmen der Aktion The Versatile Blogger Award eine Liste mit sieben Fakten über sich gepostet und möchte nun unter anderem auch von mir sieben Fakten lesen. Da Ardeija.de primär ein Buchblog ist, kommen hier also sieben Informationen über mich, die sich vor allem auf Lesevorlieben beziehen.

  1. Was das Lesen und Schreiben betrifft, bin ich altmodisch
    Ich lese nach wie vor am liebsten Bücher aus Papier und schreibe meine Geschichten, aber auch Notizen für Rezensionen oder etwa für diesen Text erst einmal per Hand, bevor es an den Computer geht.
  2. Mit Problembüchern habe ich ein Problem
    Schon als Kind und Jugendliche mochte ich es nicht, als Schullektüre moralisch wertvolle Bücher und Geschichten vorgesetzt zu bekommen, in denen ein mit erhobenem Zeigefinger behandeltes düsteres Thema alles erschlägt. Ich fürchte, die Auseinandersetzung damit hat meine Empathie für Seelenqualen leidende junge IRA-Kämpfer und ähnlich nervtötende Protagonisten nicht unbedingt gesteigert. Eine Spätfolge davon ist, dass ich bis heute einen großen Bogen um Romane mache, die mir wie Problembücher für Erwachsene vorkommen, und lieber auf die setze, die eine gute Geschichte versprechen (und es oft ganz en passant schaffen, ernste Belange viel unverkrampfter auszuloten).
  3. Ich mag Illustrationen
    Dementsprechend schade finde ich es, dass Romane für Erwachsene viel seltener illustriert sind als die für Kinder. Es mag eine Kostenfrage sein, aber durch schöne Bilder könnten manche Bücher sehr gewinnen. Bei Sachbüchern – insbesondere zu naturkundlichen und archäologischen Themen – freue ich mich übrigens immer, wenn es statt oder neben Fotos gezeichnete Illustrationen gibt, in denen sich bestimmte Details viel besser erkennen lassen.
  4. Gleichberechtigung ist für mich ein hohes Gut, im Leben wie in der Literatur
    Wenn in einem Buch durchklingt, dass der Autor oder die Autorin keinen Wert darauf legt und ein sehr starres Geschlechterrollenbild vertritt, schlägt mich das schneller in die Flucht als fast jeder andere Mangel, ganz gleich, ob es sich um ein Sachbuch oder um einen Roman handelt. Deshalb mute ich es meiner Leserschaft in meinen eigenen Geschichten auch zu, mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau in einer ansonsten eher frühmittelalterlichen Fantasywelt leben zu müssen.
  5. Ich bin ein Fan von Fabelwesen
    Drachen, Greifen, Trolle & Co. machen einen Roman für mich garantiert interessanter, und ich freue mich auch immer sehr, wenn sie mir in Sachtexten begegnen (ganz gleich, ob es nun um Mythologie, Kunst oder die römerzeitliche Verehrung eines Drachen als Lokalgottheit geht).
  6.  Bei Romanen (mit Ausnahme von Krimis) lese ich den Schluss zuerst
    Das geschieht in aller Regel schon im Buchladen und beeinflusst meine Kaufentscheidung nicht unbeträchtlich – schließlich möchte ich wissen, ob sich für das Ziel, auf das es zugeht, die viele Seiten lange Reise lohnt. Denn …
  7. Ich bin sehr für gute Enden
    Nicht immer muss es sich dabei um schiere Glückseligkeit für alle oder zumindest für die „Guten“ der Geschichte handeln (obwohl auch das manchmal sehr schön sein kann). Aber eine tröstliche und sinnhafte Auflösung ist mir wesentlich lieber als eine, die nur auf einen Schockeffekt oder die trübe und nicht gerade bahnbrechende Erkenntnis, dass die Welt eben schlecht sein kann, hinausläuft.
Gebrauchsanweisung für den Wald

Neu rezensiert: Gebrauchsanweisung für den Wald

Wie wäre es mit einem Waldspaziergang? Was man dabei entdecken kann, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten sollte und was es sonst noch an Wissenswertem über Wälder und ihre Bewohner zu erzählen gibt, schildert Peter Wohlleben in seiner Gebrauchsanweisung für den Wald locker und eingängig. Zur neuen Rezension geht es hier entlang.

Die Römer in Deutschland

Neu rezensiert: Die Römer in Deutschland

Drei Romanrezensionen in Folge sind für Ardeija.de wohl ein Rekord – höchste Zeit also, einmal wieder ein Sachbuch zu besprechen. Andreas Thiel legt mit Die Römer in Deutschland einen gut lesbaren Ausflug in die Antike vor, der Grundwissen über eine spannende Epoche anschaulich und reich bebildert vermittelt. Mehr darüber in der neuen Rezension.

BRÏN

Buchempfehlung: BRÏN

Wer schon länger auf Ardeija.de mitliest, dem ist Sameena Jehanzeb garantiert ein Begriff: Die Grafikerin und Scherenschnittkünstlerin setzt sich in ihrer gestalterischen Arbeit immer wieder auf unterschiedliche Art mit Büchern und Geschichten auseinander und bloggt auch selbst darüber. Jetzt legt sie ihren eigenen Debütroman vor, dessen Entstehung ich miterleben durfte und den ich allen Fans abenteuerlicher Phantastik ans Herz legen kann.

Die junge Juno führt ein nicht weiter bemerkenswertes Leben, bis sie bei der Verfolgung ihrer nicht ganz zufällig ausgebüxten Katze in eine Pfütze stolpert, die sich als magisches Portal zum Planeten Brïn erweist. Juno findet eine Welt im Aufruhr vor: Nach der Ermordung der Edana, der Bewahrerin und Lenkerin der Elementarmagie, droht die Verteidigung gegen die monströsen Skrae zusammenzubrechen. Zudem treibt ein äußerst brutaler Frauenmörder sein Unwesen. In Verdacht gerät ausgerechnet die geheimnisumwitterte Weltenwächterin Kamika, eine Kriegerin, für die Juno bald allen Warnungen zum Trotz viel empfindet. Doch Kamika hasst Menschen von der Erde wie die Pest – und die Gefahr, dass Junos wahre Herkunft ans Tageslicht kommt, ist noch nicht einmal die größte, in der sie schwebt …
Zugegeben, mit Serienkillergeschichten kann man mich eigentlich jagen. Dass ich diese hier dennoch mit Vergnügen erst in der Manuskriptfassung und nun noch einmal als veröffentlichtes Buch gelesen habe, ist der beste Beweis für die Pageturnerqualitäten, die BRÏN schon nach kürzester Zeit entwickelt. In lockerer Sprache und kurzen Kapiteln gehalten, liest der Roman sich hervorragend in einem Rutsch weg. Neben Dauerspannung und Abenteuern bietet er auch eine originelle Welt, die charmant in Auszügen aus einem Buch im Buch, dem fiktiven Ratgeber für Neuankömmlinge, erklärt wird, und ansprechend gezeichnete Charaktere.
Juno ist eine freche und selbstbewusste Heldin, die sich trotz der ungewohnten Gegebenheiten, mit denen sie sich arrangieren muss, nie die Butter vom Brot nehmen lässt. In Kamika, unter deren harter Schale ein verletzlicherer Kern steckt, als sie es sich gern anmerken lässt, hat sie die ideale Sparringspartnerin für herrlich sarkastische Dialoge. Höchst lebendig ist aber auch der Rest der Figurenriege geraten, von Kamikas in jeder Hinsicht feurigem Kollegen Erigen über die ermordete Edana Zolana, die aus dem Jenseits ins Geschehen eingreift, bis hin zu Junos gütigem Ziehvater Bramas und seinem Sohn Akko, der mindestens ebenso viele Geheimnisse hat wie Kamika.
Der Planet Brïn ist ein sympathisches Setting, dessen Gesellschaft erfrischend egalitär und frei von Vorurteilen hinsichtlich Geschlecht und sexueller Orientierung ist. Anders als so oft in der Phantastik sind Technik und Magie keine Gegensätze, sondern miteinander zu einem System verknüpft, das Märchenhaftigkeit und Moderne unter einen Hut bringt. Die Fülle liebevoll gestalteter Details würde man gern (vielleicht als Anime?) verfilmt sehen: Reitgreifen, Kommunikationsspiegel, exotische Süßigkeiten und Gewänder mit bewegten Bildern werden einprägsam heraufbeschworen. Ein sorgenfreies Paradies findet Juno dennoch nicht vor, denn auch abgesehen von der Bedrohung durch die Skrae und die abstoßenden Verbrechen ist das Potential für zwischenmenschliche Konflikte so hoch wie überall sonst. Die Erkenntnis, dass Fortschritt und Annehmlichkeiten allein nicht unbedingt in allen Bereichen zu mehr Weisheit führen, nimmt man aus der Lektüre also schmunzelnd mit.
Auch wenn in dieser Buchvorstellung bisher die übernatürlichen Elemente betont worden sind: Einer klaren Genrezuordnung entzieht sich der Roman. BRÏN ist zugleich Thriller mit Mördersuche, phantastisches Weltenrettungsszenario um Ungeheuer und Auserwählte, Liebesgeschichte zwischen zwei starken Frauen und hier und da sogar schräge Komödie. Fantasy und Science Fiction mischen sich mit ein paar unverkrampft neuinterpretierten historischen Elementen (so, wie sie hier auftreten, hat man Jeanne d’Arc und Jack the Ripper noch nie erlebt, versprochen), und anklingende bekannte Motive entwickeln sich oft in eine unerwartete Richtung.
Wer Lust auf mitreißende Unterhaltung hat, die sich traut, anders zu sein, sollte also zugreifen. Magische Spannung ist garantiert!

Sameena Jehanzeb: BRÏN. Uetersen, Butze Verlag, 2017, 428 Seiten.
ISBN: 9783940611574