Die Katze, die kam, um zu bleiben

Die Katze, die kam, um zu bleiben

Die Auseinandersetzung von Katzenbesitzern mit den Eigenheiten und Abenteuern ihrer Stubentiger ist ein Dauerbrenner, davon legen nicht nur die zahllosen privaten Katzenvideos und -fotos, die im Internet allgegenwärtig sind, beredt Zeugnis ab. Auch künstlerisch und literarisch werden solche Erlebnisse vielfach aufgearbeitet, sei es in witzig verfremdeter Comic- und Zeichentrickform wie bei Simon’s Cat oder als autobiographischer Erfahrungsbericht wie in den populären Büchern um Bob, den Streuner.
Nils Uddenbergs Katze, die kam, um zu bleiben fällt eindeutig in letztere Kategorie und scheint auf den ersten Blick ein Paradebeispiel einer persönlich gefärbten und eher unspektakulären Katzengeschichte zu sein: Der alternde Psychiater Uddenberg hat seit seiner Kindheit keine Tiere mehr gehalten, und seine Frau und er sind auch nicht erpicht darauf, etwas daran zu ändern – einen zu hohen Stellenwert genießen für sie gemeinsame Reisen, denen ein nichtmenschlicher Hausgenosse nur im Wege stünde. Als sich dann aber im Gartenschuppen eine streunende Katze ansiedelt, die offensichtlich nicht so rasch wieder zu verschwinden gedenkt, ergibt sich eine schleichende Veränderung, die von Fütterungen aus Mitleid über erste Hausbesuche der Katze schließlich doch noch zu deren Einzug und Einbindung ins Familienleben führt, mit allen rührenden und amüsanten Elementen, die solch ein Freundschaftschließen mit sich bringt. In diesen Schilderungen findet sich viel Altbekanntes und Vorhersehbares, darunter Beispiele typischen Katzenverhaltens ebenso wie der unausweichliche Vergleich mit Hunden. Zweierlei unterscheidet Uddenbergs Ansatz jedoch von vielen ähnlich gearteten Werken.
Zum einen ist dies sein – vielleicht berufsbedingt – sehr reflektierter und hinterfragender Umgang mit seiner eigenen Sicht auf die Katze und ihr Tun. Uddenberg ist sich im Klaren darüber, dass manche Interpretation weit mehr über den Beobachter als über das Tier selbst aussagt, gesteht jedoch sympathischerweise ein, dennoch nicht umhinzukönnen, gewisse Vermenschlichungen vorzunehmen.
Zum anderen aber ist sein Buch ein vielfach mit diesen Gedanken über Nähe und Distanz verwobener Spaziergang durch die Kulturgeschichte der Beziehungen zwischen Katze und Mensch, von der Domestikation über Deutungen in Religion und Heraldik bis hin zu literarischen Annäherungen von so unterschiedlichen Autoren wie Doris Lessing oder T. S. Eliot. Verständlicherweise bleiben diese Betrachtungen mehr oder minder an der Oberfläche, ebenso wie die eingestreuten Bemerkungen zu wilden Katzen aller Art, sei es nun der aus Uddenbergs Sicht überschätzte Löwen oder die weit unbekanntere südafrikanische Schwarzfußkatze. Typisches Sachbuchwissen soll damit wohl auch gar nicht vermittelt werden, sondern eher die assoziationsreiche Gedankenfülle eines gebildeten Katzenliebhabers, der zu viel Vorwissen für einen völlig unbefangenen oder gar unbedarften Umgang mit seinem Haustier mitbringt. Viele der beinahe dahingeplauderten Details machen jedenfalls neugierig und regen dazu an, selbst mehr in Erfahrung zu bringen.
Die Grundstimmung bleibt jedoch durchgängig charmant und liebenswert, wozu auch die netten Illustrationen von von Ane Gustavsson beitragen (ob man dabei die tote Maus auf S. 127 zu seinem Glück braucht, ist wohl Geschmackssache, aber natürlich gehört auch sie zum Katzenleben). Einziger Wermutstropfen ist ein sprachliches Holpern hier und da (z.B. die mangelnde Unterscheidung zwischen „anscheinend“ und „scheinbar“). Wer noch ein bisschen entspannende Ferienlektüre für den Sommerurlaub sucht, könnte also eine schlechtere Wahl treffen, als Die Katze, die kam, um zu bleiben dem Reisegepäck hinzuzufügen.

 
Nils Uddenberg: Die Katze, die kam, um zu bleiben. München, btb, 2015, 190 Seiten.
ISBN: 978-3442749171


Genre: Kunst und Kultur