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Greifen, Grabraub und Gelichter

Werbung in eigener Sache: Greifen, Grabraub und Gelichter

Seit dem Erscheinen von Tricontium sind mittlerweile zweieinhalb Jahre vergangen – höchste Zeit also, den nächsten Ausflug nach Aquae Calicis und Umgebung zu unternehmen!
Mein neues Buch Greifen, Grabraub und Gelichter ist ab sofort im Handel. Diesmal ist es allerdings kein Roman geworden, sondern eine Sammlung kürzerer Geschichten:

Kleine Greifen haben ein gutes Gespür dafür, wo Futter und Wärme zu finden sind – und das kann nicht schaden in einer Welt, in der Kriegerinnen und Diebe gleichermaßen gefährlich leben, kein einziges Weihnachtsfest in frommer Besinnlichkeit verläuft und auch die Totenruhe nicht ungestört bleibt, wenn es nicht umgekehrt die Toten selbst sind, die gerade die Ruhe stören … Fünf Geschichten laden ein zu einem Ausflug (nicht nur) nach Aquae Calicis.

Auch wenn einige Texte ein Wiedersehen mit alten Bekannten bieten, setzt die Lektüre der Anthologie die Kenntnis von Tricontium nicht voraus, sondern nur die Bereitschaft, sich mit kleinen und großen Greifen anzufreunden, vor Kirchendiebstahl ebenso wenig zurückzuschrecken wie vor Wikingerüberfällen und unsachgemäße Ausgrabungen an einem steppennomadischen Kurgan aus der Perspektive einer Grabbeigabe zu erdulden. Für reichlich Tee, Verpflegung und Gespenster ist selbstverständlich wie immer gesorgt.

Greifen, Grabraub und Gelichter ist bei BoD erschienen und als Taschenbuch (ISBN: 978-3739220130, 8,99 EUR) oder als eBook (ISBN: 978-3739286013, in den nächsten 28 Tagen: Aktionspreis 4,99 EUR, danach 5,99 EUR) erhältlich.

 

Gedanken über das Rezensieren

Ardeija.de besteht nun schon gut ein halbes Jahr, und so ist es vielleicht an der Zeit, die praktische Arbeit des Bloggens auf ein theoretisches Fundament zu stellen. Inspiriert von einem entsprechenden Beitrag in Moyas Buchgewimmel habe auch ich mir die Frage nach meinem Zugang zum Rezensieren gestellt.

Von Geschichte und Geschichten

Der Hauptgrund dafür, dass ich Bücher rezensiere, deckt sich mit dem dafür, dass ich sie gern lese und schreibe, und hatte auch auf die Wahl meiner Studienfächer und meines Berufs beträchtlichen Einfluss: Geschichten faszinieren mich. Das ist nicht allein ihrem Unterhaltungswert geschuldet. Vielmehr halte ich sie für eines der wichtigsten Mittel, das den Menschen zur Verfügung steht, um die Welt zu deuten und zu begreifen. Denn Geschichten werden nicht nur in Romanen, Novellen, Märchen, Sagen und dergleichen mehr erzählt. Auch auf wissenschaftliche Distanz und Objektivität abzielende, der Realität verhaftete Bücher, die Fakten vermitteln wollen, bauen oft auf narrative Elemente, und sei es nur, dass Fallbeispiele, die den Kern einer kleinen Geschichte enthalten, zur Verdeutlichung abstrakter Konzepte dienen (vom philosophischen Gedankenspiel bis zur Textaufgabe im Mathebuch).
Besonders sinnfällig ist das bei allen historischen Themen, denn Geschichtsschreibung ist immer in gewissem Maße ein Versuch, die oft unüberschaubare vergangene Realität in (eine) halbwegs kohärente Geschichte zu verwandeln, bei der ganz ähnlich wie in fiktionalen Texten Entwicklungslinien, zentrale Ereignisse und oftmals auch besonders hervorgehobene Figuren inszeniert werden – ganz gleich, ob es nun um eine quellenmäßig gut fassbare historische Persönlichkeit geht oder um den Versuch, aus den spärlichen Informationen eines Grabfunds, einer Inschrift oder einer Urkunde ein ansonsten verlorenes Einzelschicksal in groben Zügen zu rekonstruieren.
Fast alle Bücher enthalten daher mindestens ansatzweise eine Geschichte, sei es eine mehr oder minder wahre oder eine ganz der Phantasie entsprungene (und doch auf anderer Ebene für die Wirklichkeit relevante). Funktion und Aussageabsicht sind natürlich je nach Gattung und Genre ganz unterschiedlich, doch grundlegende Techniken des Erzählens und der Informationsvermittlung und die Art, wie wir als Leser darauf reagieren, spielen überall eine Rolle. Wenn ich in meinen Rezensionen zu verdeutlichen versuche, was in einem Buch erzählt wird, mit welchen Mitteln es geschieht und welche Konsequenzen sich möglicherweise daraus ergeben, soll das also nicht allein eine Auswahlhilfe bei der Suche nach eigener Lektüre sein, sondern immer auch ein Denkanstoß.

Gelesen, aber nicht besprochen

Obwohl also vieles Anknüpfungspunkte für das bietet, was mich an Büchern interessiert und was ich an ihnen hervorheben möchte, findet nicht alles, was ich lese, auf Ardeija.de Erwähnung. Auch wenn ich meinen eigenen Blog unter anderem begonnen habe, um nicht mehr ausschließlich Fantasy zu rezensieren, bespreche ich hier nicht meine komplette Lektüre. Die Beschränkung auf Romane und auf Sachbücher zu historischen und kulturellen Themen hat ihren Grund: Als Rezensentin möchte ich nicht nur die sprachliche und (erzähl-)technische Qualität eines Werks beurteilen, sondern auch zumindest im Großen und Ganzen die sachliche Richtigkeit, das Ausmaß der vorausgesetzten Vorkenntnisse und die Informationsauswahl einschätzen können.
Deshalb werden auf Ardeija.de auch künftig keine Bücher z.B. zu naturwissenschaftlichen Themen besprochen werden, auch wenn ich sie lese. So hatte ich zwar als interessierte Laiin großen Spaß an Randall Munroes What if? (ISBN: 978-3813506525), der Buchfassung der gleichnamigen Unterabteilung des Webcomics xkcd, und könnte dazu vielleicht einiges hinsichtlich der Tücken des Wechsels von einem Medium ins andere oder der allgemeinen Lesbarkeit sagen, aber über die Inhalte könnte ich mich nicht so qualifiziert äußern wie jemand vom Fach, so dass eine Rezension sich nicht lohnen würde.
Doch auch aus meinen Lieblingsgebieten schafft es nicht jedes Buch auf die Rezensionsliste – ganz einfach, weil es nicht immer viel Mitteilenswertes dazu zu sagen gibt. Hat man Anlass zu Lob oder Kritik, rezensiert sich ein Werk leicht, aber erschreckend viele Bücher erscheinen mir einfach ziemlich nichtssagend; wenn nicht viel Konkretes gegen sie spricht, aber auch nichts im Guten hervorsticht, reduziert sich mein Mitteilungsbedürfnis sehr.

Alles in Maßen

In aller Regel zeichnet sich schon während der Lektüre ab, ob ein Buch sich für eine Rezension eignet, und in dem Fall beginne ich, Notizen zu machen, aus denen dann nach Abschluss des Lesens die Besprechung entsteht.
Oberstes Gebot ist für mich dabei, dem jeweiligen Buch und auch den Bloglesern gegenüber fair zu sein. Bisweilen bedeutet das, die eigene Begeisterung etwas zu zügeln, wenn ich spüre, dass meine subjektive Freude an bestimmten Elementen gerade in Romanen die Wahrnehmung vorhandener Schwächen zu überlagern droht. So schwer es fällt, den Jubel dann etwas zu dämpfen – jede Empfehlung, die ich ausspreche, soll auch auf objektiv nachvollziehbaren Kriterien beruhen und nicht nur auf persönlichen Vorlieben.
Umgekehrt gilt aber auch, dass ich nicht aus reiner Lust am Zerfetzen Verrisse schreiben möchte. Auch das kann Beherrschung kosten, denn manche Sachfehler, Stilblüten oder merkwürdigen Überlegungen sind die reinsten Steilvorlagen, um ein Buch gehörig durch den Kakao zu ziehen. Aber ich bemühe mich, es damit nicht zu übertreiben. In Häme soll meine Kritik nie abgleiten. Schließlich schreibe ich selbst auch anderes als Rezensionen und weiß, wie leicht es ist, dabei einiges falsch zu machen. Wenn ich mir von anderen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem, was ich verfasse, wünsche, dann muss ich mit dieser Haltung auch an fremde Texte herangehen.

Buchtipps: Mittelalter

Als Mediävist ist man nicht über alles glücklich, was über das Mittelalter so veröffentlicht wird, aber es gibt auch viele gute Bücher, die interessante Aspekte der Epoche beleuchten, die nichts mit den populären Klischees von Rittern, Pest und Ketzerverfolgung zu tun haben. Einige Buchtipps zum Mittelalter sind deshalb hier zu finden.

Von Flüchen, Tod und Geisterspuk

Buchempfehlung: Von Flüchen, Tod und Geisterspuk

Das Buch einer Freundin im eigentlichen Sinne zu rezensieren, wäre nicht statthaft, vor allem dann nicht, wenn man seine Genese über lange Zeit hinweg begleitet hat – und so geht es mir bei der hier vorgestellen Kurzgeschichtensammlung. Unerwähnt lassen möchte ich Kassandra Sperls Von Flüchen, Tod und Geisterspuk. Sechs phantastische Geschichten aber auf keinen Fall, und so sei diese gerade erst erschienene Veröffentlichung allen ans Herz gelegt, die mit Gespenstergeschichten und liebevoll ausgemalten fremden Welten etwas anfangen können.

Zentrales Thema der in dem schön gestalteten Band versammelten kurzen Erzählungen ist das Einbrechen bedrohlicher und zumeist übernatürlicher Phänomene (über die der Titel einen guten ersten Überblick gewährt) in die Lebenswelt ganz unterschiedlicher Gestalten, die eine gewisse Außenseiterrolle eint: Ob reisende Gelehrte, Mitarbeiterin der Hafenmeisterei, verachteter Söldner oder mit einem schweren Erbe konfrontierter Jüngling, mit dem Unheimlichen müssen oder wollen sie allesamt allein fertigwerden. Dass das bisweilen zu einem tragischen oder gar bitterbösen Ausgang führt, ist gewissermaßen vorprogrammiert, so dass es umso schöner ist, dass sich hier und da durchaus auch versöhnliche Elemente oder ein Aufblitzen von Humor im Spiel mit liebgewonnenen literarischen Konventionen finden.

Den furiosen Auftakt bildet Halliéna: In der titelgebenden Hafenstadt scheint der leibhaftige Tod umzugehen und ein Opfer nach dem anderen verfrüht ins Grab zu bringen, bis eine unbesungene Heldin ihm den Kampf ansagt und erkennen muss, dass sie das wahre Ausmaß des Grauens beträchtlich unterschätzt hat. Der äußere Schein trügt auch in der gleichnamigen Geschichte, in der es zu einer folgenschweren Begegnung zwischen zwei Opfern von Vorurteilen kommt und die besten Absichten ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen.
Nachtmahr und Herzblut dagegen machen als zweiteilige Erzählung deutlich, dass das vermeintliche Ungeheuer nicht immer der wahre Böse ist, und schildern zugleich anrührend das Erwachsenwerden eines Jungen, der in der Waldeinsamkeit unverhofft vom Beschützten zum Beschützer werden muss.
Ein Ozean voller Sterne mag auf den ersten Blick Poetisches verheißen, bietet aber eher Schimmelreiter-Atmosphäre als Naturromantik, wenn das Meer seine schaurigen Geheimnisse preisgibt und eine ganze Dorfgemeinschaft sich nicht nur mit einem Unwetter, sondern zugleich auch mit den Auswirkungen einer moralisch fragwürdigen Entscheidung konfrontiert sieht. Auch Die Rose von Laverne hat ein Gewässer zu bieten, an dessen Ufern ein Gespenst umgeht, dem man Grauenvolles nachsagt – ob zu Recht, ist, wie so manches in diesen klug konstruierten Geschichten, eine Frage der Perspektive …

Ganz gleich, ob man als Fantasyleser abseits ausgetretener Pfade auf der Suche nach neuen Stimmen im Genre ist, ob man als Freund von Sagen und Märchen einen Einstieg in die Phantastik sucht oder ob man sich als Liebhaber sprachlich anspruchsvoll gestalteter Kurzprosa die Aufgeschlossenheit bewahrt hat, vor Magie und Andersweltlichkeit nicht gleich reflexartig zurückzuschrecken: Von Flüchen, Tod und Geisterspuk bietet unterhaltsame und spannende Lektüre und macht Lust auf mehr aus Kassandra Sperls Feder.

Kassandra Sperl: Von Flüchen, Tod und Geisterspuk. Sechs phantastische Geschichten. Amazon CreateSpace, 2015, 257 Seiten.
ISBN: 978-1506190310
Erhältlich bei Amazon.