Lesemäuse

Lesetipps in Kurzform 2 (Bücher und Links)

Spätestens am Mittwoch wird es doch eigentlich Zeit, sich Gedanken über die Wochenendgestaltung zu machen. Wer noch auf der Suche nach dem nötigen Lesestoff für die nächsten freien Tage ist, findet hier ein paar Tipps.

Buchtipps

Altes Land

Seit Dörte Hansens Roman die Bestsellerlisten im Sturm erobert hat, ist darüber schon so viel geschrieben worden, dass sich eine ausführliche Rezension kaum lohnt. Dennoch verdient die Geschichte um die unangepasste Vera von Kamcke, die als ostpreußisches Flüchtlingskind im Alten Land nahe Hamburg strandet, und ihre aus anderen Gründen vom Leben gebeutelte Nichte Anne, die es Jahrzehnte später ebenfalls dorthin verschlägt, immerhin eine kurze Erwähnung. Denn die Auseinandersetzung mit dem eigentlich sehr ernsten Thema, wie eine nie aufgearbeitete Vergangenheit noch die nachgeborenen Generationen belasten kann, ist unerwartet humorvoll und vergnüglich. Zu einem Gutteil ist das den herrlich sperrigen Charakteren zu verdanken, aber auch der atmosphärischen Schilderung von Veras altem Bauernhaus (das fast selbst eine Figur mit eigenem Willen zu sein scheint) und nicht zuletzt den bisweilen boshaften, aber durchaus treffenden Karikaturen verschiedener Menschentypen der Hamburger Gesellschaft. Eine klare Lesenempfehlung für alle, die es mögen, wenn ein Buch, das einen eben noch angerührt oder gar schockiert hat, auf der nächsten Seite schon wieder zum Schmunzeln reizt.

Dörte Hansen: Altes Land. München, Knaus, 2015, 288 Seiten.
ISBN: 9783813506471

Skriptorium

Zugegeben, man kann umfangreichere und ausführlichere Sachbücher zum Thema Paläographie finden, aber wohl kaum ein charmanteres als Vera Trosts unterhaltsame kleine Einführung in die mittelalterliche Buchherstellung. Man erfährt nicht nur das Grundlegendste über Schreiber, Pergament, Farben und Tinte, sondern kann sich auch an zahlreichen Abbildungen aus Handschriften und Inkunabeln erfreuen. Daneben gibt es Fotos von Schreibmaterialien zu bestaunen. Zahlreiche, oft auch zweisprachig wiedergegebene Zitate aus mittelalterlichen Quellen erschließen nicht nur überliefertes Wissen über Farbpigmente oder den pfleglichen Umgang mit Büchern, sondern lassen einen auch einen Blick auf den Alltag erhaschen, wenn etwa ein Schreiber in Wort und Bild über eine lästige Maus flucht.

Vera Trost: Skriptorium. Stuttgart, Belser, 2011, 48 Seiten.
ISBN: 9783763025947

Linktipps

Auf dem auch sonst immer lesenswerten Literaturblog Kölner Leselust findet noch bis zum 23.4. ein lustiges Gewinnspiel statt, das bisher sträflich wenig Beachtung gefunden hat: Es gilt, ein Aprilgedicht zu schreiben, um eine Reclam-Anthologie mit – genau! – Aprilgedichten zu gewinnen.

Zu guter Letzt noch der traditionelle nichtliterarische Linktipp: Sam Jehanzeb von saje design hat ihre Website um einen sehenswerten Shop erweitert, in dem man ihre originellen Kreationen bestellen kann. Die Kunstwerke sind für Lesefans übrigens besonders attraktiv, denn neben Sams Zitatkunst gibt es auch Kunstdrucke und filigrane Scherenschnitte zu mythologischen Themen und Märchensujets zu entdecken.

 

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