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Mrs. Tsenhor

Neu rezensiert: Mrs. Tsenhor

Über das Leben im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. lässt sich zwar dank archäologischer Funde und bestimmter Schriftquellen einiges aussagen, aber Einzelpersonen werden meist nur dann fassbar, wenn sie der Oberschicht angehörten. Eine Ausnahme von dieser Regel bildet Ägypten, da sich dort aufgrund der klimatischen Bedingungen auch Papyri mit Dokumenten erhalten haben, die sich auf die Rechtsgeschäfte und Alltagserfahrungen von Durchschnittsmenschen beziehen. Eine solche Frau, die im Totenkult tätige Tsenhor, steht im Mittelpunkt von Koenraad Donker van Heels lesenswertem Buch. Die neue Rezension ist hier zu finden.

Buchrücken (Symbolbild Lesetipps)

Lesetipps in Kurzform 5 (Lesenswertes online)

Die letzten Tage waren wahrlich nicht so sommerlich, wie man es sich zu dieser Jahreszeit erhofft, aber Dauerregen und Gewitter haben auch einen Vorteil: Wenn man draußen nicht viel unternehmen kann, bleibt mehr Zeit für die Lektüre!

Lesenswertes findet sich dabei nicht nur in Büchern. Gerade im Bereich der englischsprachigen Fantasy und Science Fiction sind auch viele gute und unterhaltsame Geschichten online veröffentlicht. Die folgenden drei haben mir besonders viel Spaß gemacht:

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T. Kingfisher (alias Ursula Vernon) – The Dryad’s Shoe

Ich habe eine gewisse Schwäche für Märchen, doch Märchennacherzählungen oder märchenbasierten Geschichten kommen oft zu plump daher, um Spaß zu machen. Nicht so diese augenzwinkernde Aschenputtel-Variante, die manches Klischee mit leichter Hand genüsslich auf den Kopf stellt. Von der gärtnernden Heldin über den als Abgesandten einer Dryade agierenden sprechenden Vogel und die gar nicht einmal so bösen Stiefschwestern bis hin zur Dienerschaft sind die Figuren liebevoll gezeichnet. Der humorvolle Erzähltonfall und das selbstironische Spiel mit Märchentypischem (und -untypischem) runden diesen kleinen Leckerbissen ab.

Eine Übersicht über die online verfügbaren Geschichten der Autorin ist hier zu finden.

Sylvia Spruck Wrigley – Alienated

Etwas boshafter und düsterer geht es in Alienated zu: Die Ich-Erzählerin ist als verurteilte Mörderin in eine Strafkolonie auf einem fremden Planeten verbannt worden und nur bedingt eine sympathische Gestalt. Wie sie sich mit ihrer Situation und einem höchst unerwarteten Phänomen arrangiert, ist dennoch amüsant geschildert, so dass ein Plot, der auch zu intensivem Grusel bis hin zum Horror getaugt hätte, eine auf fiese Art durchaus hoffnungsvolle Wendung nimmt.

Auf ihrer Website listet die Autorin ihre online veröffentlichen Kurzgeschichten auf.

Rose Lemberg – The Desert Glassmaker and the Jeweler of Berevyar

„Hoffnung“ ist auch das passende Stichwort für diese Geschichte in Briefen, die herrlich optimistisch und in überbordend lyrischer Sprache den Zauber der Kunst und die Offenheit für Neues in den Mittelpunkt stellt. Die in Teilen der Fantasyleserschaft leider häufig anzutreffende (Fehl-)Annahme, dass nur Geschichten voller Action in möglichst dreckigen und dystopischen Welten lesenswert seien, wird hier gründlich widerlegt. Ein kleines Glaskunstwerk wird zum Ausgangspunkt einer Korrespondenz zwischen zwei Personen, die sich noch nie begegnet sind, und wie sich ihre Beziehung durch die gemeinsame Begeisterung für Natur und Wunderdinge ganz allmählich entwickelt und vertieft, liest sich mitreißender als so mancher Text um dramatischere Geschehnisse.

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Natürlich darf bei diesem Thema auch der Tipp nicht fehlen, Simone Hellers How Bees Fly zu lesen (oder anzuhören), eine hier schon einmal ausführlicher besprochene Geschichte, die beim dritten oder vierten Blick hinein eigentlich nur immer weiter gewinnt, weil man ein interessantes Detail nach dem anderen entdeckt.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf ein Projekt, das auf ganz andere Weise Spannendes erzählt: Petra van Cronenburg (die auf Ardeija.de schon als Sachbuch– und Romanautorin Erwähnung gefunden hat) beteiligt sich am Sketchbook Project der Brooklyn Art Library und bloggt darüber, wie sie ihre Familiengeschichte über Ausgewanderte und Daheimgebliebene umsetzen möchte: How to find my story.

The Mystery of the Hanging Garden of Babylon

Neu rezensiert: The Mystery of the Hanging Garden of Babylon

Das herrliche Sommerwetter lädt im Augenblick dazu ein, sich mit Gärten zu beschäftigen, neben der Gartenarbeit und dem Sonnenbaden gern auch theoretisch. Zu den bekanntesten Gärten überhaupt zählen natürlich die Hängenden Gärten von Babylon, aber was weiß man eigentlich über sie? Nicht viel, wie die Assyriologin Stephanie Dalley nachweist – und vielleicht noch dazu genau das Falsche. Mehr über die spannende Spurensuche in der neuen Rezension.

Lesetipp: How Bees Fly

Zugegeben, beim heutigen Lesetipp bin ich eindeutig parteiisch, da ich die Autorin Simone Heller schon lange kenne und schätze. Doch auch wenn diese persönliche Bekanntschaft nicht wäre, könnte ich ihre erste englischsprachige Geschichte How Bees Fly, die in der neuesten Ausgabe (# 125) von Clarkesworld erschienen ist, nur empfehlen.

How Bees Fly entführt in eine düstere postapokalyptische Welt, deren Bewohner den Umgang mit der überkommenen Technik nur noch in Form von abergläubischen Praktiken beherrschen. Tödliche Stürme sind nur eine der Gefahren in den verseuchten Landstrichen unter dem leaden sky, und die Ich-Erzählerin, die sich als Hebamme und Imkerin bisweilen aus dem Schutz ihrer sicheren Siedlung hervorwagen muss, bekommt es prompt mit einem viel furchteinflößenderen Phänomen zu tun: Dämonen, auf deren wahre Natur sie keine noch so schaurige alte Geschichte vorbereiten konnte …

Wer aber nun glaubt, hier ein reißerisches Schreckensszenario vor sich zu haben, in dem es primär um Grusel und Abenteuer geht, wird eine handfeste Überraschung erleben. Auch wenn es sehr spannend wird und durchaus physische Bedrohungen zu meistern sind, ist How Bees Fly nämlich vor allem eine psychologisch und philosophisch ausgefeilte Studie über volkstümlich tradiertes Wissen mit all seinen Stärken und Schwächen, Verbindendes über scheinbar starre Grenzen hinweg und damit nicht zuletzt auch in Ängsten wurzelnde Vorurteile und ihre Überwindung. Erschütternd und hoffnungsvoll zugleich entspinnt sich ein Kammerspiel um das Hinterfragen vermeintlicher Gewissheiten, das einen auch dazu anregt, das eigene Bild von Gut und Böse einmal einer Überprüfung zu unterziehen. Zum wahren Leckerbissen wird die Geschichte jedoch vor allem durch das mitschwingende Hintergrundwissen über Ethnologie und Kulturgeschichte und das beneidenswerte Gespür der Autorin für sprachliche Feinheiten.

Neugierig geworden? How Bees Fly ist online hier zu finden, aber natürlich gibt es die Zeitschrift auch als e-Book zu kaufen.

Girls, Goddesses & Giants

Neu rezensiert: Girls, Goddesses & Giants

In Mythen, Sagen und Märchen ist der Held ein Mann, während Frauen nur eine passive Rolle bleibt? Zuweilen ja – aber nicht immer. Wer etwas über die wilden Kriegerinnen, schlauen Trickstergöttinnen und tapferen kleinen Mädchen wissen möchte, die in der Überlieferung verschiedenster Kulturen gar nicht einmal so selten sind, ist mit Lari Dons charmantem Kinderbuch Girls, Goddesses & Giants gut beraten. Mehr darüber in der neuen Rezension.

The Amazons

Neu rezensiert: The Amazons

Dem wahren Kern von Sagen nachzuspüren, ist verlockend, in vielen Fällen aber auch fruchtlos. Adrienne Mayor beweist, dass es nicht immer so sein muss, und zeigt in The Amazons auf, inwieweit in der griechischen Amazonenüberlieferung neben viel Phantasie auch ein spannendes Stück historischer Wirklichkeit steckt. Zur neuen Rezension geht es hier entlang.