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Auf Achse mit den Römern

Das Römische Reich zeichnete sich durch ein für antike Verhältnisse gut ausgebautes Straßensystem und eine hohe Mobilität der Bevölkerung aus. Ob zu Fuß, im Sattel, mit Wagen oder per Schiff waren ständig viele Menschen unterwegs, darunter natürlich Soldaten und Beamte auf dem Weg zu ihren Einsatzorten. Doch auch im zivilen Bereich gab es mehr als genug Anlässe für Reisen: Handel, Bildung, Pilgerfahrten, Erholungssuche, Besuche bei Verwandten und Bekannten und schließlich auch touristische Neugier waren Gründe, zu teilweise recht fernen Zielen aufzubrechen. Mit Reisen in römischer Zeit – so der Untertitel – und dabei insbesondere mit den Reisen zu Land befasst sich das als Begleitband zu einer Dauerausstellung im LVR-Archäologischen Park Xanten konzipierte Buch Auf Achse mit den Römern, zu dem verschiedene Autorinnen und Autoren Beiträge beigesteuert haben.

Nach einer kurzen Einführung zum Ausstellungskontext befasst sich das erste Oberkapitel Den Römern auf der Spur mit dem römischen Straßensystem unter besonderer Berücksichtigung der Situation in Niedergermanien, also der Provinz, in der die Colonia Ulpia Traiana, das heutige Xanten, lag. Eingefügt in den Text sind dabei unter dem Stichwort Wissenswertes Informationskästen, die z. B. archäologische Fachbegriffe erläutern und das Thema so auch für Nichtfachleute verständlich erschließen. Der Schlussabschnitt des Kapitels widmet sich der Orientierung in dieser Welt mittels Itineraren und Karten wie der berühmten Tabula Peutingeriana, die allerdings nicht so wie eine moderne Landkarte zu lesen ist, sondern anderen Prinzipien gehorcht.

Wer diese Straßen und Wegbeschreibungen wie genau nutzte, verrät das Kapitel Menschen unterwegs, in dem zunächst in mehreren Abschnitten die praktischen Aspekte des Reisens (wie Gepäck, Reisedauer, Übernachtungen und Gefahrenquellen) abgehandelt werden, bevor es um berufliche und private Reisegründe geht.

Mit Vom Reißbrett auf die Straße – die Rekonstruktionen römischer Kutschen im LVR-Archäologischen Park Xanten ist ein eigenes Kapitel der experimentellen Archäologie gewidmet. Nach Schrift- und Bildquellen, aber auch Funden wurden drei verschiedene Wagen nachgebaut, ein leichtes, zweirädriges cisium für kürzere Fahrten, eine carruca, die zur Beförderung Reisender über längere Distanzen gedacht war, und ein primär zu Transportzwecken dienender carrus. Die Nachbauten sind nicht nur in einem eigenen Pavillon im Park ausgestellt, sondern wurden auch auf ihre Fahreigenschaften und ihren Komfort getestet. In beiden Bereichen tun sich dann doch erhebliche Unterschiede zu Kutschen der Moderne, aber auch schon der Frühen Neuzeit auf.

Das Zuggeschirr der römischen Kaiserzeit wird in einem eigenen abschließenden Kapitel untersucht, denn wie man die Zugtiere – Pferde, Maultiere, Esel und Ochsen – anschirrte, unterschied sich ebenfalls von heute, da die Schirrung im Mittelalter noch einmal eine erhebliche Weiterentwicklung erfuhr.

Alle Themen sind mit viel Bildmaterial ansprechend und leicht zugänglich für ein allgemeines Publikum aufbereitet, die teilweise ausführlichen Quellenzitate entsprechend in deutscher Übersetzung wiedergegeben. Einem ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Ausflug in die Welt des Reisens in der römischen Antike steht mit diesem Buch also nichts im Wege.

Jeanne-Nora Andrikopoulou u.a.: Auf Achse mit den Römern. Reisen in römischer Zeit. Oppenheim, Nünnerich-Asmus, 2020 (Führer und Schriften des LVR-Archäologischen Parks Xanten Nr. 25), 152 Seiten.


Genre: Geschichte