Neu rezensiert: Das Knopfbuch

Um einmal unaufgefordert ein bisschen Werbung für eine weitere meiner Lieblingsbuchhandlungen zu machen: In der Buchhandlung Seevetal findet man eigentlich immer etwas, nicht nur vorzügliche Biographien und nett verpackte Gartentipps, sondern auch so liebevoll gestaltete Geschenkbände wie Das Knopfbuch von Stephanie Schneider. Ob in diesem Fall der Inhalt mit dem reizenden Äußeren mithalten kann, lässt sich der neuen Rezension entnehmen.

Lesetipps in Kurzform 7 – Märchen von und über Frauen

Immer wieder begegnet einem das Vorurteil, in Märchen, Sagen und Mythen seien Frauen allein auf passive Rollen wie die der vom Helden geretteten Prinzessin reduziert. Zum heutigen Weltfrauentag gibt es daher auf Ardeija.de eine kleine Zusammenstellung von thematisch relevanten Märchenbüchern, die zeigen, dass es reichlich Gegenbeispiele gibt.

Die Frau, die auszog, ihren Mann zu erlösen

Einer der Klassiker schlechthin auf dem Gebiet der Märchensammlung rund um starke Frauen ist diese Zusammenstellung verschiedenster Geschichten aus ganz Europa von Sigrid Früh. Von listigen Bauerntöchtern über kämpferische Zarinnen bis hin zu einer jungen Soldatin, die mithilfe eines hellseherisch begabten Satyrs einen König erobert, sind hier zahlreiche eindrucksvolle Gestalten in klassischen Märchen versammelt.

Sigrid Früh (Hrsg.): Die Frau, die auszog, ihren Mann zu erlösen. Europäische Frauenmärchen. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch, 1991, 160 Seiten. ISBN: 3596104637

Verzauberte Hosen

Geographisch breiter aufgestellt und vom Tonfall her ganz anders kommt Scharuk Husains Sammlung um als Männer verkleidete Frauen daher. Die Autorin erzählt Geschichten unterschiedlichster Herkunft (vom Volksmärchen über spätmittelalterliche Novellen bis hin zur Legenda Aurea) modern und augenzwinkernd nach und führt so von Italien bis Tibet quer durch die ganze Welt. Ein sympathisch geschriebenes Vorwort und ausführliche Quellennachweise zu den einzelnen Texten runden den lesenswerten Band ab.

Scharuk Husain: Verzauberte Hosen. Frauenmärchen um Liebe, Macht und die Kunst der Verwandlung. Aus dem Englischen von Ruth Melcer. Zürich, Unionsverlag, 1996, 318 Seiten. ISBN: 3293200842

Märchen von starken Frauen

Auf die verschiedensten Kontinente führt auch diese Märchensammlung, deren Titel Programm ist: Monika Kühn präsentiert hier ganz gezielt selbstbewusst und aktiv handelnde Frauengestalten. Stark sind sie alle, aber nicht unbedingt nett und in ihrer Vorgehensweise zur Nachahmung empfohlen – hier kommen durchaus einmal Schurkinnen in der Hauptrolle zum Zuge, auch wenn die positiven Heldinnen in der Überzahl sind.

Monika Kühn (Hrsg.): Märchen von starken Frauen. München, DTV, 8. Auflage 2000, 240 Seiten. ISBN: 3423202862

Wie Frauen die Welt erschufen

Unter einer ganz anderen Perspektive stellt Frederik Hetmann in dieser Sammlung Geschichten um ebenfalls starke Frauen zusammen: Ihm geht es um die Vorstellung einer weiblichen Schöpfergottheit, die sich nicht nur in zahlreichen Mythen aus aller Welt findet, sondern auch in den verschiedensten Märchen noch anklingt. Obwohl Hetmann sich in seinem Grundansatz stark auf die wissenschafltich nicht unumstrittenen Theorien von Robert von Ranke-Graves aus The White Goddess stützt, gelingt ihm eine anregende und durchaus interessante Auswahl.

Frederik Hetmann (Hrsg.): Wie Frauen die Welt erschufen. Mythen, Märchen und Legenden. Zürich, Unionsverlag, 2001, 256 Seiten. ISBN: 3293201997

Scheherazades Schwestern

Ursula Schulze schließlich legt den Schwerpunkt nicht auf die Protagonistinnen, sondern auf die Autorinnen der von ihr herausgegebenen Kunstmärchen: Alle sind von Frauen verfasst, und zwar durchaus nicht von unbekannten. Von Marie-Catherine d’Aulnoy über Bettine von Arnim, Marie von Ebner-Eschenbach und Selma Lagerlöf bis hin zu Joan Aiken, Ingeborg Bachmann und Christine Nöstlinger sind hier große Namen der Literaturgeschichte versammelt.

Ursula Schulze (Hrsg.): Scheherazades Schwestern. Die schönsten Märchen, geschrieben von Frauen. München, Piper Verlag, 2004, 192 Seiten. ISBN: 3492231921

Neu rezensiert: Mittagsstunde

Mittagsstunde – der Titel lässt einen an Wärme und Helligkeit denken, und vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade in diesem einen im wahrsten Sinne des Wortes lichten Moment des Tages die Mehrheit aller Bewohner des nordfriesischen Dorfs Brinkebüll gemeinhin schläft … Dörte Hansens neuer Roman kommt jedenfalls um einiges finsterer und kälter daher als ihr Debüt Altes Land, hat aber dennoch viel zu bieten. Die neue Rezension wartet hier.

Neu rezensiert: Swordheart

Nach dem Zweiteiler Clocktaur War ist T. Kingfisher mit dem Eingangsband einer in derselben Welt angesiedelten Trilogie zurück: Swordheart erzählt unterhaltsam, wenn auch mit gewissen Schwächen, wie eine Witwe in Nöten sich in einen durchaus etwas ungewöhnlichen Krieger verliebt. Zur neuen Rezension geht es hier entlang.

Der Dank für die Lektüreempfehlung geht übrigens an Simone Heller, die als Miss Navigator sehr lesenswert über Bücher und Geschichten bloggt.

Neu rezensiert: Loreley und Schlangenfrau

Dass die Loreley am Rhein lauert, weiß man ja – aber was hat es mit der Schlangenfrau auf sich, und welche Sagen und Geschichten ranken sich eigentlich noch um die Region? Aufschluss bietet Tilman Spreckelsens Loreley und Schlangenfrau, eine aus älteren Sagensammlungen schöpfende Rheinreise von der Schweiz bis ans Meer. Die neue Rezension verrät mehr darüber.

Neu rezensiert: Theoderich der Große

„Nicht ein Knochen war in diesem Schuft!“ Mit diesem markigen Spruch soll der Überlieferung nach der gotische König Theoderich die soeben eigenhändig eiskalt durchgeführte Ermordung seines Konkurrenten Odoaker kommentiert haben, und es ist auch diese ebenso schockierende wie einprägsame Szene, mit der Hans-Ulrich Wiemer die Hauptperson seiner Biographie Theoderich der Große die Bühne betreten lässt. Doch Theoderich war mehr als ein schwertschwingender Gewalttäter, und wer sich ihm annähern will, findet in dem überzeugenden Band viele Perspektiven, aus denen sich der Gotenherrscher betrachten lässt. Mehr darüber in der neuen Rezension.

Lesetipps in Kurzform 6 (Lesenswertes online)

Buchrücken (Symbolbild Lesetipps)

Foto: © Maike Claußnitzer

Während Süddeutschland im Schnee versinkt, herrscht hier im Norden gleichermaßen mildes wie trübes Novemberwetter im Januar, gelegentlich auch mit Sturm und Regen. Beste Lesebedingungen also, so dass es einmal wieder Zeit wird, sich umzusehen, welche lesenswerten Geschichten online frei zugänglich sind. Auf in die englischsprachige Welt der Fantasy!

Maria Haskins – Hand Me Downs

Frisch in diesem Januar im Onlinemagazin GigaNotoSaurus erschienen ist diese sympathische Geschichte um einen großen Lebenstraum, alltäglichen Rassismus, Familienreibereien und Freundschaft. Tilda, ein Trollmädchen im heutigen Kanada, hofft auf eine große Tanzkarriere. Doch was auf dem Weg dorthin von ihr verlangt wird, konfrontiert sie mit tiefsitzenden Vorurteilen, die selbst Menschen hegen, die es gar nicht böse mit ihr meinen, und lässt sie fast daran verzweifeln, ihre Wünsche, die Forderungen ihrer Tanzlehrerin und die Empfindlichkeiten ihrer eigenen Familie unter einen Hut zu bringen. Als dann auch noch ihre geliebte Großmutter und ihre beste Freundin Irene beginnen, sich seltsam zu verhalten, scheint guter Rat teuer …
Anders als sonst viel zu oft in der Fantasy ist Hand Me Downs keine Erzählung, die mit Blutvergießen und Action oder einer großen Weltenrettung zu punkten versucht. Stattdessen werden hier ganz realistische Themen wie Einwandererschicksale, der Umgang mit Behinderung und das Verfolgen persönlicher Ziele um eine phantastische Komponente bereichert. Obwohl Haskins den Trollen durchaus die Unheimlichkeit lässt, die sie auch in ihren mittelalterlichen Ursprungssagen besitzen, gewinnen sie hier ein sehr menschliches und herzerwärmendes Gesicht. Nur für Fans von Griegs Peer-Gynt-Suite könnte die Lektüre sich eher traurig gestalten …

Judith Tarr – Dragon Winter

Aus derselben Zeitschrift stammt auch diese Geschichte, die sich gar nicht stärker von der ersten Leseempfehlung unterscheiden könnte: Hier sind zahlreiche klassischen Fantasymotive von der scheinbar unüberwindlichen Bedrohung über furchterregende Ungeheuer bis hin zur unwahrscheinlichen Retterin der Gemeinschaft vereint, aber originell interpretiert. In einer mythischen, altgriechisch inspirierten Welt lebt Charis in einer Siedlung, die sich alljährlich gegen die Angriffe kriegerischer Nomaden verteidigen muss. Es gibt durchaus ein bewährtes, wenn auch riskantets Abwehrmittel, doch wie lange es noch vorhalten wird, ist fraglich. Ausgerechnet Charis‘ Mann Deion versucht sich daher unerlaubt an einem Experiment und wird in die Verbannung geschickt. Unterdessen rückt die Gefahr unaufhaltsam näher …
Neben den Figuren, deren Beziehungen feinfühlig ausgelotet werden, überzeugt hier vor allem die liebevolle Ausgestaltung der Welt. Mit dem Aussäen von Drachenzähnen greift Tarr ein spannendes Element der Argonautensage auf, und ihre Darstellung der Konflikte zwischen Sesshaften und Nomaden beweist, dass sie sich nicht nur mit der Mythologie, sondern auch mit der tatsächlich Vor- und Frühgeschichte des eurasischen Raums gut auskennt. Besonders gelungen ist daneben die Schilderung der Echsen, die, wie schon der Titel verrät, eine prominente Rolle spielen. Solch saurierhafte Drachen findet man selten.

Sharon J. Gochenour – About a Goat

Nicht in eine phantantastisch abgewandelte Vergangenheit, sondern in eine düstere, aber mit viel schwarzem Humor betrachtete Zukunft entführt dagegen diese kurze Geschichte, in der es ebenso brutal wie konsequent zugeht. Khazar, der Leiter eines Flüchtlingslagers, findet auf recht unersprießliche Art heraus, dass es seine Tücken hat, sich mit einer Ziege anzulegen – ob nun ganz handfest auf physischer Ebene oder telepathisch …
Trotz der Kürze des Texts wird hier ein übersprudelnder Weltenbau geboten und gelungen aus der Sicht einer nichtmenschlichen Hauptfigur bis hin zur ebenso boshaften wie komischen Schlusspointe erzählt.

Wer noch mehr lesenswerte englischsprachige Fantasy sucht: Ältere Lesetipps zum Thema sind hier und hier zu finden.

Neu rezensiert: Wie klone ich ein Mammut?

Das Jahr 2019 beginnt mit einer gewichtigen Frage: Wie klone ich ein Mammut? Unter diesem Titel gibt die schwedische Wissenschaftsjournalistin Torill Kornfeldt einen breitgefächerten Überblick über allerlei Versuche, Tierarten entweder nach ihrem Aussterben wiederauferstehen zu lassen oder aber noch in letzter Sekunde vor dem Verschwinden zu bewahren. Mehr darüber in der neuen Rezension.