Bücher passend zur Jahreszeit – Weihnachten und Winter

Das erste Adventswochenende ist eine gute Gelegenheit, noch einmal in einem kurzen Beitrag die im Laufe der Zeit auf Ardeija.de rezensierten Bücher zusammenzustellen, die zu Weihnachten und zum Winter passen.

Weihnachtsgeschichten

Ruth Berger – Eisweihnacht

Diese Liebes- und Familiengeschichte führt ins Frankfurt des 19. Jahrhunderts und schneidet bei allem Weihnachtszauber auch einige ernste Themen an.

Anne Helene Bubenzer – Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown

Hier wird heiter und locker eine Weihnachtsfeier mit Hindernissen geschildert – aus der Sicht eines Teddybären.

Astrid Fritz – Wie der Weihnachtsbaum in die Welt kam

Hauptfigur dieses nett illustrierten Büchleins ist ein jugendlicher Dieb, der nolens volens zum Weihnachtsbaumerfinder wird.

Winterliches

Sameena Jehanzeb – Winterhof

Wer einen Blick auf die düsteren und todbringenden Aspekte des Winters riskieren möchte, wird in diesem modernen Märchen fündig, in dem ein beschaulicher Urlaub schleichend zum Albtraum wird.

Birgit Otten – Winterlied

Der kurze Roman bietet leichte Fantasyunterhaltung um Liebeswirren und eskalierende Konflikte auf einer eingeschneiten Burg.

Neu rezensiert: Das Versprechen, dich zu finden

Zugegeben: Der relativ nichtssagende Klappentext hätte mich wahrscheinlich nie auf Anne Youngsons Das Versprechen, dich zu finden aufmerksam werden lassen. Also wird es wohl Zeit, einmal Werbung für einen der Läden, aus denen ich meinen Lesestoff beziehe, zu machen – ohne die letzte „Lesezeit“ der Buchhandlung am Sand hätte ich diesen wunderbaren Roman wohl nie gekauft und verschlungen. Während Margret Kroll, die das Buch überzeugend wie immer vorstellte, allerdings meinte, sie habe trotz der Moorleiche begeistert weitergelesen, war „Moorleiche“ natürlich das Stichwort, das mich erst so richtig neugierig gemacht hat. Denn Das Versprechen, dich zu finden ist eine zarte Liebesgeschichte mit Moorleiche. Wie das zusammenpasst? Die Auflösung folgt in der neuen Rezension.

Neu rezensiert: Die vergessene Römerschlacht

Der Begriff des Sensationsfunds wird in der Archäologie fast schon inflationär bemüht und darf in manchen Fällen getrost in Zweifel gezogen werden, aber für das römische Schlachtfeld am Harzhorn ist er tatsächlich angemessen: Hier warf der Nachweis, dass noch im 3. Jahrhundert römische Truppen tief in Niedersachsen aktiv waren, langgehegte Forschungsmeinungen über den Haufen. In welchen Kontext diese Vergessene Römerschlacht gehört, schildert Günther Moosbauer in einem ansprechenden Buch für ein allgemeines Publikum. Die neue Rezension ist hier zu finden.

Neu rezensiert: Ungeheuerlich

Als ebenso faszinierender wie bisweilen furchterregender Naturraum hat das Meer schon immer die menschliche Phantasie angeregt. In den Fluten vermutete man einst Ungeheuer aller Arten. Was neben Nixen und Seeschlangen in früheren Jahrhunderten noch alles unter der Oberfläche lauerte, stellt Erling Sandmo in einem sehr charmanten und unterhaltsamen Büchlein vor. Mehr darüber in der neuen Rezension.

Lesetipp: When We Were Starless

Wer schon länger auf Ardeija.de mitliest, weiß, dass ich 2017 mit How Bees Fly bereits eine englischsprachige Geschichte von Simone Heller empfohlen habe. Mittlerweile ist sie wieder in dieselbe postapokalyptische Welt voller Echsen, verseuchter Landschaften und geheimnisvoller Artefakte aufgebrochen.

When We Were Starless führt allerdings aus der relativ sicheren Umgebung der befestigten Siedlungen fort ins Dasein von Hirtennomaden, die mit mechanischen Spinnen durch Gebiete streifen, in denen hungrige Riesentausendfüßler nur eine Bedrohung unter vielen darstellen. Viel furchteinflößender sind die Geister, Überreste einer untergegangenen Zivilisation, und ausgerechnet mit ihnen bekommt es die Kundschafterin Mink zu tun, als ihr Stamm in einem Gebäude aus alten Zeiten nach verwertbarem Rohmaterial sucht. Eigentlich ist das eine Herausforderung, die Mink problemlos meistern sollte – schließlich ist sie im Geisterbannen erfahren. Was aber, wenn ein Geist sich als ganz anders erweist als alle, denen man bisher begegnet ist? Pflichterfüllung, Notwendigkeit und eigene Wünsche lassen sich für Mink bald nicht mehr unter einen Hut bringen, während eine äußere Bedrohung unaufhaltsam näherrückt …

Was When We Were Starless zu einer originellen Lektüre macht, ist vor allem die Mischung aus leicht düsterer Science Fiction und Elementen traditioneller Erzählformen, von volkstümlichen Geschichten bis hin zur klassischen Fantasyliteratur. Das hier durchaus rational erklärte Märchenmotiv des außerhalb des Körpers verwahrten Herzens spielt ebenso eine zentrale Rolle wie die an gleich zwei Figuren in unterschiedlicher Form durchgespielten Opferbereitschaft einer Mentorengestalt, und der Reiz einer im Prinzip hochtechnisierten, aber in archaischen Erklärungsmustern verhafteten Gesellschaft wird bis zur Neige ausgekostet. Besonders Weltraumfans, die sich gern zu den Sternen träumen, werden ihre Freude am Verlauf von Minks Abenteuer haben (und auch so einiges aus der realen Welt wiedererkennen).

Wer neugierig geworden ist, findet hier den Link zu When We Were Starless – sowohl der Text selbst als auch eine Audiofassung stehen online frei zur Verfügung. Am besten ist es aber, beide Geschichten in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen, denn sie ergänzen sich gegenseitig und beleuchten die Frage nach dem Umgang mit überkommenen Traditionen, der Wahrnehmung von Technik und nicht zuletzt dem Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft auf eine Art, die erst in der Zusammenschau ein großes Ganzes ergibt.

Lesenswert ist in diesem Kontext übrigens auch der Blogbeitrag der Autorin zu ihrer Erzählung, in dem sie Inspirationsquellen und Hintergründe der Geschichte näher erläutert.

Buchempfehlung: Winterhof

Als kleines Mädchen hatte die herzkranke Kora seltsame Träume von einer märchenhaften Eiswelt, doch als Erwachsene scheint sie nun selbst wie im Märchen zu leben. In dem fürsorglichen Ben hat sie den perfekten Partner gefunden, die quirligen Zwillinge Elin und Jonna machen das Glück der Eltern perfekt, und mit einer Fahrt ins idyllische Snjórley steht auch noch ein traumhafter Winterurlaub vor der Tür. Höhepunkt des Aufenthalts soll das berühmte Fest mit dem Auftritt der sagenumwobenen Schneekönigin werden. Doch was mit viel Spaß am anderswo selten gewordenen Schnee, vergnüglichen Ausflügen und winterlichen Leckerbissen beginnt, entwickelt sich für Kora rasch wortwörtlich zum Albtraum. Glaubt sie erst noch, dass sich die ins Schreckliche abgeglittene Wiederkehr ihrer Kindheitsphantasien nur in ihrem Kopf abspielt, wird nach und nach deutlich, dass nicht nur für sie selbst viel mehr auf dem Spiel steht als ihr Seelenfrieden …
Nach ihrem furiosen Debüt BRÏN ist Sameena Jehanzeb mit einem neuen Buch zurück. Winterhof ist düstere Fantasy, in der die gruselige und grausame Seite von Märchen im Vordergrund steht. Unter der glitzernden Oberfläche herrschen in Snjórley ebenso archaische wie eherne Gesetzmäßigkeiten, die nicht einmal vor Romanprotagonistinnen haltmachen. Wer an BRÏN also vor allem die optimistische Grundtendenz und die unverwüstliche Durchsetzungskraft der Heldinnen zu schätzen wusste, muss sich hier auf eine ganz andere Art von Geschichte gefasst machen, bei der das Mitfiebern oft eher zum Mitleiden wird. Das in Fantasyromanen um Parallelwelten oder unerkannte übernatürliche Aspekte unserer Wirklichkeit gängige Schema wird hier geradezu auf den Kopf gestellt. Entflieht sonst oft jemand dem eher eintönigen bis unersprießlichen Alltag in phantastische Sphären, ist der titelgebende Winterhof hier eine Bedrohung für ein eigentlich beneidenswert schönes Leben. Auch die Liebe wird nicht wie gewohnt in ihrer Entstehung verfolgt; vielmehr steht eine intakte Familie auf dem Spiel. Wie genau Koras Kampf darum ausgeht, soll hier natürlich nicht verraten werden, aber so viel sei gesagt: Der Verlauf ihres Abenteuers ist wahrlich nichts für schwache Nerven, und wer reine Wohlfühllektüre sucht, ist im schaurigen Snjórley auch an der falschen Stelle. Themen wie Krankheit und Tod oder auch die heikle moralische Frage, wie persönliche Integrität und das Wohl der Allgemeinheit gegeneinander abzuwägen sind, spielen eine wichtige Rolle.
Dass dennoch reichlich Winterzauber aufkommt und die eisige Welt der Schneekönigin nicht nur in ihrer Kälte, sondern auch in ihrer oft befremdlichen Schönheit greifbar heraufbeschworen wird, ist über den Text hinaus der Buchgestaltung zu verdanken, die von der Autorin selbst stammt. Fast jedes der aus gutem Grund rückwärts gezählten Kapitel ist mit einer eindrucksvollen ganzseitigen Illustration versehen, und darüber hinaus sind Winterpalast, Eiskrone und Schneeflocken bzw. -wirbel wiederkehrende Elemente, die Abschnitte einleiten, Seitenzahlen flankieren oder Absätze trennen. Dieser liebevoll ausgearbeitete und bis ins Detail stimmige äußere Rahmen der Geschichte macht das Leseerlebnis zu etwas Besonderem und lässt einen das Buch auch dann noch gern durchblättern, wenn der kurze Roman, den man schnell verschlingt, schon vorüber ist. Allen, die Finsteres und Abgründiges zu schätzen wissen, sei der Ausflug nach Snjórley hiermit empfohlen.

Sameena Jehanzeb: Winterhof. Stockach, Zeilengold Verlag, 2018, 157 Seiten.
ISBN: 9783946955153

Neu rezensiert: Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen

Bienen sind aus unserem Leben nicht wegzudenken, und das Bienensterben zählt sicher zu den größten Umweltkrisen unserer Zeit. Dafür, dass diese Tiere solch eine immense Bedeutung für uns haben, wissen aber eigentlich die Wenigsten genug über sie. Abhilfe schaffen kann Helen Jukes wunderbarer Erfahrungsbericht Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen, der nicht nur viel Spannendes und Überraschendes über Bienen verrät, sondern auch den Blick auf das menschliche Leben und seine Licht- und Schattenseiten schärft. Alles Weitere über das Buch, das zu den schönsten Neuerscheinungen des Jahres zählt, in der aktuellen Rezension.

Neu rezensiert: Die seltsamsten Orte der Antike

Geschichte ist ohne die geographischen Räume, in denen sie sich abspielt (oder auch nur imaginiert wird), schlichtweg nicht vorstellbar. Darunter sind auch immer wieder ungewöhnliche Stätten. Zu ihnen will der Althistoriker Martin Zimmermann Interessierte in seinem neuesten Buch Die seltsamsten Orte der Antike führen. Darüber, wie gut das Vorhaben gelungen ist, informiert die neue Rezension.

Neu rezensiert: The Darkening Age

Zugegeben: Als Mediävistin ist man immer negativ voreingenommen, wenn ein Buch den Übergang von der Antike ins Mittelalter primär als Abgleiten in ein finsteres Zeitalter schildert. Dennoch war ich eigentlich bereit, mich von Catherine Nixeys The Darkening Age eines Besseren belehren zu lassen. Den Prozess der Christianisierung gewissermaßen aus der Perspektive der Verlierer zu erzählen, klingt schließlich nach einem interessanter Ansatz. Warum seine Umsetzung zu wünschen übrig lässt, erklärt die neue Rezension.