Hörtipp: Herbstgedichte mit Heike Baller

Heike Ballers HörBar, in der sie online Gedichte vorliest, habe ich  in einem älteren Beitrag schon einmal vorgestellt. Nun ist mit einer Reihe von Herbstgedichten ein besonders schöner Reigen von Poesie hinzugekommen, der in diesen in mehr als einer Hinsicht trüben Tagen nicht nur wohligen Hörgenuss schenkt, sondern auch Denkanstöße bietet. Wer lieber jahreszeitenunabhängig Gedichten lauscht, kann seit einiger Zeit übrigens auch Katzengedichte von Heike Baller vorgetragen hören.

Wie immer zeigt sich dabei, dass es noch einmal etwas ganz anderes ist, zum Zuhörer oder zur Zuhörerin eines Gedichts zu werden, als es selbst zu lesen. Die Interpretation, die in Betonung und Klangfarbe unweigerlich mit einfließt, hilft einem oft, eigentlich schon vertraute Texte (gerade unter den Herbstgedichten sind mehrere recht bekannte) noch einmal unter ganz neuen Gesichtspunkten auf sich wirken zu lassen. Beide Gedichtpotpourris beweisen übrigens wieder einmal, dass Heike Baller als Rilke-Vorleserin die Idealbesetzung ist – seine Sprache und ihre Stimme harmonieren einfach wunderbar.

Wer sich neben dem reinen Hörvergnügen auch noch ein paar Hintergründe gönnen möchte, findet bei Heike Baller übrigens auch noch einen vor einigen Jahren erschienenen Blogbeitrag mit klugen Überlegungen zu den Herbstgedichten, in denen Düsternis, Trost und Heiterkeit oft nahe beieinanderliegen.

Neu rezensiert: Im schwarzen Wasser

Nach mehrjähriger Pause fügt Petra Oelker ihrer Reihe um die mit detektivischem Spürsinn begabte Komödiantin Rosina einen neuen Band hinzu: Im schwarzen Wasser führt in das Hamburg des Jahres 1774 und hat nicht nur einen Mordfall zu bieten, sondern auch liebevoll charakterisierte Figuren, einen gut recherchierten Hintergrund und einen nur am Rande beteiligten Rotmilan, der allein schon ein Grund ist, das Buch zu lesen.

Mehr über den spannenden Krimi in der neuen Rezension.

Lesetipp: Keloid Dreams

Nach knapp zwei Jahren ist Simone Heller, die für When We Were Starless den Eugie Foster Memorial Award gewann, mit einer neuen Kurzgeschichte zurück, die frei im Internet zugänglich ist.

Auch Keloid Dreams entführt in eine eher trostlose Zukunft und wirft die Frage nach der Menschlichkeit von künstlicher Intelligenz auf, doch statt einer neugierigen Echse ist die Erzählerfigur hier eine Maschine, genauer gesagt ein Kampfroboter, der zum Pflegeroboter umschult und als Patienten ausgerechnet den übellaunigen Sergeant Callas zugeteilt bekommt, einen kriegsversehrten Veteranen, mit dem er in gewissem Sinne eine gemeinsame Vergangenheit hat.

Vordergründig ist der Text dabei eine Variation des bewährten Themas, dass zwei gegensätzliche alte Kämpfer aus persönlichen Gründen noch in ein letztes Abenteuer aufbrechen, doch unter dieser nach einem ruhigen Beginn actiongeladenen Oberfläche werden Fragen aufgeworfen, die sich einer einfachen Beantwortung entziehen. So geht es unter anderem, wie der Titel schon andeutet, um Narben nicht nur äußerlicher Art, aber auch um Willensfreiheit und den teils bewussten, teils erzwungenen Verzicht darauf, um widerstreitende Selbst- und Fremdbilder, um Generationenkonflikte und nicht zuletzt um Unsichtbares, an das man vielleicht sogar wider vermeintlich besseres Wissen glaubt.

Wer Freude an Simone Hellers älteren Geschichten hatte, kann hier eine neue Facette ihrer futuristischen Welten entdecken. In ihrem Blog berichtet die Autorin über die teilweise autobiographischen Hintergründe von Keloid Dreams und weitere Inspirationsquellen.

Neu rezensiert: Militärgeschichte des Mittelalters

Beim Stichwort Militärgeschichte des Mittelalters sieht man vermutlich zunächst einmal einen Ritter vor seinem inneren Auge. Dass solche schwer gepanzerten Reiterkrieger zwar eine Rolle spielten, aber selbst im Hochmittelalter immer nur ein Teil des Gesamtbilds waren, macht Martin Clauss in seiner kurzen Einführung zum Thema deutlich, die zwar viele interessante Informationen bietet, aber nicht unbedingt einen durchgängigen roten Faden hat.

Wer mehr wissen möchte, findet hier die neue Rezension.

Neu rezensiert: Das verlassene Haus

Während es mehrere Krimiserien gibt, aus denen ich gelegentlich gern einmal einen Band lese, ist die einzige, die mich in den letzten Jahren wirklich vorbehaltlos begeistert hat, Louise Pennys Reihe um Armand Gamache, der in Kanada ermittelt. Zu den klug aufgebauten und komplexen Geschichten um den Chief Inspector, der Bücher und gutes Essen liebt, zählt auch Das verlassene Haus, das die Stärken der Serie voll ausspielt.

Die neue Rezension verbirgt sich hier.

Neu rezensiert: Die Vandalen

Was man sich unter „Vandalen“ vorzustellen hat, weiß jeder – aber vermutlich denkt man erst einmal an die übertragene Bedeutung des Begriffs und nicht an die völkerwanderungszeitliche Gens, die diese Bezeichnung lange vor den Zerstörungswütigen späterer Jahrhunderte trug. Auch Konrad Vössing kommt in seiner lesenswerten Einführung Die Vandalen nicht darum herum, sich mit dem neuzeitlichen Vandalismusbegriff zu befassen, zeigt aber, dass die historischen Vandalen durchaus auch abseits ihrer eher mit Vorsicht zu genießenden modernen Namensvettern interessant sind.

Mehr über die Vandalen in der neuen Rezension.