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Neu rezensiert: Theoderich der Große

„Nicht ein Knochen war in diesem Schuft!“ Mit diesem markigen Spruch soll der Überlieferung nach der gotische König Theoderich die soeben eigenhändig eiskalt durchgeführte Ermordung seines Konkurrenten Odoaker kommentiert haben, und es ist auch diese ebenso schockierende wie einprägsame Szene, mit der Hans-Ulrich Wiemer die Hauptperson seiner Biographie Theoderich der Große einführt. Doch Theoderich war mehr als ein schwertschwingender Gewalttäter, und wer sich ihm annähern will, findet in dem überzeugenden Band viele Perspektiven, aus denen sich der Gotenherrscher betrachten lässt. Mehr darüber in der neuen Rezension.

Lesetipps in Kurzform 6 (Lesenswertes online)

Buchrücken (Symbolbild Lesetipps)

Foto: © Maike Claußnitzer

Während Süddeutschland im Schnee versinkt, herrscht hier im Norden gleichermaßen mildes wie trübes Novemberwetter im Januar, gelegentlich auch mit Sturm und Regen. Beste Lesebedingungen also, so dass es einmal wieder Zeit wird, sich umzusehen, welche lesenswerten Geschichten online frei zugänglich sind. Also auf in die englischsprachige Welt der Fantasy!

Maria Haskins – Hand Me Downs

Frisch in diesem Januar im Onlinemagazin GigaNotoSaurus erschienen ist diese sympathische Geschichte um einen großen Lebenstraum, alltäglichen Rassismus, Familienreibereien und Freundschaft. Tilda, ein Trollmädchen im heutigen Kanada, hofft auf eine große Tanzkarriere. Doch was auf dem Weg dorthin von ihr verlangt wird, konfrontiert sie mit tiefsitzenden Vorurteilen, die selbst Menschen hegen, die es gar nicht böse mit ihr meinen, und lässt sie fast daran verzweifeln, ihre Wünsche, die Forderungen ihrer Tanzlehrerin und die Empfindlichkeiten ihrer eigenen Familie unter einen Hut zu bringen. Als dann auch noch ihre geliebte Großmutter und ihre beste Freundin Irene beginnen, sich seltsam zu verhalten, scheint guter Rat teuer …
Anders als sonst viel zu oft in der Fantasy ist Hand Me Downs keine Erzählung, die mit Blutvergießen und Action oder einer großen Weltenrettung zu punkten versucht. Stattdessen werden hier ganz realistische Themen wie Einwandererschicksale, der Umgang mit Behinderung und das Verfolgen persönlicher Ziele um eine phantastische Komponente bereichert. Obwohl Haskins den Trollen durchaus die Unheimlichkeit lässt, die sie auch in ihren mittelalterlichen Ursprungssagen besitzen, gewinnen sie hier ein sehr menschliches und herzerwärmendes Gesicht. Nur für Fans von Griegs Peer-Gynt-Suite könnte die Lektüre sich eher traurig gestalten …

Judith Tarr – Dragon Winter

Aus derselben Zeitschrift stammt auch diese Geschichte, die sich gar nicht stärker von der ersten Leseempfehlung unterscheiden könnte: Hier sind zahlreiche klassischen Fantasymotive von der scheinbar unüberwindlichen Bedrohung über furchterregende Ungeheuer bis hin zur unwahrscheinlichen Retterin der Gemeinschaft vereint, aber originell interpretiert. In einer mythischen, altgriechisch inspirierten Welt lebt Charis in einer Siedlung, die sich alljährlich gegen die Angriffe kriegerischer Nomaden verteidigen muss. Es gibt durchaus ein bewährtes, wenn auch riskantets Abwehrmittel, doch wie lange es noch vorhalten wird, ist fraglich. Ausgerechnet Charis‘ Mann Deion versucht sich daher unerlaubt an einem Experiment und wird in die Verbannung geschickt. Unterdessen rückt die Gefahr unaufhaltsam näher …
Neben den Figuren, deren Beziehungen feinfühlig ausgelotet werden, überzeugt hier vor allem die liebevolle Ausgestaltung der Welt. Mit dem Aussäen von Drachenzähnen greift Tarr ein spannendes Element der Argonautensage auf, und ihre Darstellung der Konflikte zwischen Sesshaften und Nomaden beweist, dass sie sich nicht nur mit der Mythologie, sondern auch mit der tatsächlich Vor- und Frühgeschichte des eurasischen Raums gut auskennt. Besonders gelungen ist daneben die Schilderung der Echsen, die, wie schon der Titel verrät, eine prominente Rolle spielen. Solch saurierhafte Drachen findet man selten.

Sharon J. Gochenour – About a Goat

Nicht in eine phantantastisch abgewandelte Vergangenheit, sondern in eine düstere, aber mit viel schwarzem Humor betrachtete Zukunft entführt dagegen diese kurze Geschichte, in der es ebenso brutal wie konsequent zugeht. Khazar, der Leiter eines Flüchtlingslagers, findet auf recht unersprießliche Art heraus, dass es seine Tücken hat, sich mit einer Ziege anzulegen – ob nun ganz handfest auf physischer Ebene oder telepathisch …
Trotz der Kürze des Texts wird hier ein übersprudelnder Weltenbau geboten und gelungen aus der Sicht einer nichtmenschlichen Hauptfigur bis hin zur ebenso boshaften wie komischen Schlusspointe erzählt.

Wer noch mehr lesenswerte englischsprachige Fantasy sucht: Ältere Lesetipps zum Thema sind hier und hier zu finden.

Neu rezensiert: Wie klone ich ein Mammut?

Das Jahr 2019 beginnt mit einer gewichtigen Frage: Wie klone ich ein Mammut? Unter diesem Titel gibt die schwedische Wissenschaftsjournalistin Torill Kornfeldt einen breitgefächerten Überblick über allerlei Versuche, Tierarten entweder nach ihrem Aussterben wiederauferstehen zu lassen oder aber noch in letzter Sekunde vor dem Verschwinden zu bewahren. Mehr darüber in der neuen Rezension.

Neu rezensiert: Antike. 100 Seiten

Mit einem kleinen Büchlein zum Thema Antike verabschiedet sich Ardeija.de in die Winterpause und wünscht allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2019, das hoffentlich wieder viel spannende Lektüre bringt. Im neuen Jahr geht es hier weiter – und die letzte Rezension des alten Jahres über Holger Sonnabends Antike wartet hinter diesem Link.

Bücher passend zur Jahreszeit – Weihnachten und Winter

Das erste Adventswochenende ist eine gute Gelegenheit, noch einmal in einem kurzen Beitrag die im Laufe der Zeit auf Ardeija.de rezensierten Bücher zusammenzustellen, die zu Weihnachten und zum Winter passen.

Weihnachtsgeschichten

Ruth Berger – Eisweihnacht

Diese Liebes- und Familiengeschichte führt ins Frankfurt des 19. Jahrhunderts und schneidet bei allem Weihnachtszauber auch einige ernste Themen an.

Anne Helene Bubenzer – Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown

Hier wird heiter und locker eine Weihnachtsfeier mit Hindernissen geschildert – aus der Sicht eines Teddybären.

Astrid Fritz – Wie der Weihnachtsbaum in die Welt kam

Hauptfigur dieses nett illustrierten Büchleins ist ein jugendlicher Dieb, der nolens volens zum Weihnachtsbaumerfinder wird.

Winterliches

Sameena Jehanzeb – Winterhof

Wer einen Blick auf die düsteren und todbringenden Aspekte des Winters riskieren möchte, wird in diesem modernen Märchen fündig, in dem ein beschaulicher Urlaub schleichend zum Albtraum wird.

Birgit Otten – Winterlied

Der kurze Roman bietet leichte Fantasyunterhaltung um Liebeswirren und eskalierende Konflikte auf einer eingeschneiten Burg.

Neu rezensiert: Das Versprechen, dich zu finden

Zugegeben: Der relativ nichtssagende Klappentext hätte mich wahrscheinlich nie auf Anne Youngsons Das Versprechen, dich zu finden aufmerksam werden lassen. Also wird es wohl Zeit, einmal Werbung für einen der Läden, aus denen ich meinen Lesestoff beziehe, zu machen – ohne die letzte „Lesezeit“ der Buchhandlung am Sand hätte ich diesen wunderbaren Roman wohl nie gekauft und verschlungen. Während Margret Kroll, die das Buch überzeugend wie immer vorstellte, allerdings meinte, sie habe trotz der Moorleiche begeistert weitergelesen, war „Moorleiche“ natürlich das Stichwort, das mich erst so richtig neugierig gemacht hat. Denn Das Versprechen, dich zu finden ist eine zarte Liebesgeschichte mit Moorleiche. Wie das zusammenpasst? Die Auflösung folgt in der neuen Rezension.

Neu rezensiert: Die vergessene Römerschlacht

Der Begriff des Sensationsfunds wird in der Archäologie fast schon inflationär bemüht und darf in manchen Fällen getrost in Zweifel gezogen werden, aber für das römische Schlachtfeld am Harzhorn ist er tatsächlich angemessen: Hier warf der Nachweis, dass noch im 3. Jahrhundert römische Truppen tief in Niedersachsen aktiv waren, langgehegte Forschungsmeinungen über den Haufen. In welchen Kontext diese Vergessene Römerschlacht gehört, schildert Günther Moosbauer in einem ansprechenden Buch für ein allgemeines Publikum. Die neue Rezension ist hier zu finden.

Neu rezensiert: Ungeheuerlich

Als ebenso faszinierender wie bisweilen furchterregender Naturraum hat das Meer schon immer die menschliche Phantasie angeregt. In den Fluten vermutete man einst Ungeheuer aller Arten. Was neben Nixen und Seeschlangen in früheren Jahrhunderten noch alles unter der Oberfläche lauerte, stellt Erling Sandmo in einem sehr charmanten und unterhaltsamen Büchlein vor. Mehr darüber in der neuen Rezension.