Die Traumfabrik

Blogwichteln 2017: Gastrezension von Kerstin Fricke

Jedes Jahr veranstaltet das Netzwerk Texttreff kurz vor Weihnachten ein Blogwichteln: Jeweils zwei Bloggerinnen werden einander zugelost und schreiben einander Gastbeiträge. Meine Übersetzerkollegin Kerstin Fricke (alias Die Wortspielerin) hat mich mit der folgenden Gastrezension einer Graphic Novel bewichtelt. Vielen Dank dafür!


Die Traumfabrik

Als filmbegeisterter Comicfan (oder auch comicbegeisterter Filmfan) kam ich an einer Graphic Novel mit dem Titel »Die Traumfabrik« natürlich nicht vorbei – zum Glück!

Das Cover lässt bereits den wunderschönen und sehr stimmigen Zeichenstil von Frédéric Blier erkennen, der sich durch den ganzen Band zieht und hervorragend zur Geschichte und zum Setting passt.

»Der Riese und die Nackttänzerin« ist der erste Band dieser Reihe und beginnt im Winter 1927 irgendwo in der Provinz. Hier lernen wir den guten Célestin, den Protagonisten dieses Bandes und titelgebenden »Riesen«, kennen, der nicht nur sehr groß, sondern auch ungemein tollpatschig ist, sodass es bei seiner Arbeit als Gehilfe in der Kanzlei seines Vaters immer wieder zu Missgeschicken kommt. Als er ein Gespräch seiner Eltern belauscht, bei dem sich sein Vater sehr abfällig über ihn äußert, packt Célestin seine Koffer und macht sich auf nach Paris.

Dort angekommen, begegnet er recht bald zufällig seinem alten Freund Anatole, der als Rekommandeur in einem Kino arbeitet. Nach und nach finden wir heraus, dass Célestin von diesem noch recht neuen Medium fasziniert ist und schon einige Drehbücher geschrieben hat, die bisher jedoch niemand haben wollte. Und dann erblickt er bei der Geheimvorführung eines frivolen Films die Darstellerin und ist völlig fasziniert von der Unbekannten, die für ihn eine begnadete Schauspielerin ist.

Schließlich gelingt es ihm, als Assistent in einem Filmstudio unterzukommen, womit er seinem Traum, irgendwann einmal selbst einen Film zu drehen, wieder einen Schritt nähergekommen ist. Dabei schaut er nicht nur hinter die Kulissen der Filmbranche, sondern lernt auch viele interessante und fachkundige Menschen kennen – bis er eines Tages zufällig die Unbekannte wiedersieht und alles daransetzt, sie nicht erneut aus den Augen zu verlieren …

Obwohl der Band gerade mal achtundvierzig Seiten hat (ergänzt durch weitere acht, auf denen die Erfindung des Kinematographen näher beschrieben wird), schaffen es Laurent Galandon (Text), Frédéric Blier (Bilder), Sébastien Bouet (Farben) und die sehr stimmungsvolle Übersetzung von Annabelle Steffes, nicht nur diese turbulente Zeit in Paris, sondern auch das »Wohlwollen« und sanfte Wesen Célestins hervorragend einzufangen und den Leser zu fesseln. Ich kann nur hoffen, dass der nächste Band bald erscheint, da ich unbedingt wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht, und mich bereits auf ein Wiedersehen mit Célestin und all seinen Freunden freue.

Verlagsinfos:

DIE TRAUMFABRIK 1

Ende der 1920er Jahre lebt Célestin mit seiner Familie auf dem Land und hilft in der Kanzlei seines Vaters aus. Doch in ihm schlummern größere Träume und so zieht er aus der Provinz in die Großstadt, um seiner wahren Leidenschaft nachzugehen: Filme machen! Doch das stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Einer seiner Freunde, ehemaliger Marktschreier und mittlerweile selbst Besitzer eines Lichtspieltheaters, rät ihm, sich lieber wieder auf die Akten seines Vaters zu stürzen. Doch Célestin glaubt an seinen Traum und sucht sich einen Job als Assistent in einem Filmstudio.

Erstveröffentlichung: 24.04.2017
Format: HC
Seiten: 48
Autoren: Laurent Galandon
Zeichner: Frédéric Blier
Storys: La Parole du Muet 1
ISBN: 978-3741602481


Kerstin Fricke

Zur Autorin: Kerstin Fricke lebt und arbeitet in Berlin, wo sie Bücher, Comics und Computer-/Videospiele aus dem Englischen übersetzt oder lektoriert und somit ihre Hobbys zu ihrem Beruf gemacht hat. Mehr über ihre Arbeit findet man auf ihrer Webseite www.kf-uebersetzungen.de, während sie auf pbcat.blog aus ihrem Arbeitsalltag plaudert und allerlei Nerdkram postet.

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