Archiv der Kategorie: Allgemein

Werbung (nicht nur) in eigener Sache: Würfelglück

Ein neues Buch von mir ist zwar noch nicht erschienen, aber in einer kürzlich veröffentlichten Anthologie mit Beiträgen von siebzehn verschiedenen Autorinnen und Autoren bin ich mit einer Kurzgeschichte vertreten.

In Würfelglück steht zur Abwechslung einmal eine Figur im Mittelpunkt, die in meinen Geschichten bisher nur Auftritte als Antagonistin hatte: Skua die Rote, eine Wikingerin, mit der selbst an guten Tagen nicht zu spaßen ist – und ein guter Tag ist für sie ohnehin nur einer, an dem sie mindestens ein Kloster plündert oder ein paar Gegner außer Gefecht setzt.

Würfelglück zeigt Skua noch ganz am Anfang ihrer fragwürdigen Karriere, doch sie stellt schon hier unter Beweis, dass sie Spiele gewinnen und wilde Schlachten überstehen kann. Das alles hilft ihr jedoch herzlich wenig, als sie sich einer Walküre gegenübersieht, die – sehr zu Skuas Missvergnügen – eigentlich nur ihre Aufgabe erfüllen will und dabei auf tatkräftige Unterstützung hofft. Ob sich das Verhängnis noch abwenden lässt?

Einen Beitrag zur Anthologie beigesteuert hat übrigens auch Kassandra Sperl, deren Erstlingswerk Von Flüchen, Tod und Geisterspuk vor einigen Jahren auf Ardeija.de vorgestellt worden ist. In ihrer spannenden neuen Geschichte Schicksalswahl ist die junge Islind entschlossen, zu verhindern, dass ihr Geliebter Wolfgar sich unbedacht in einen Kampf stürzt, den er nicht gewinnen kann. Aber wenn die Mächte des Schicksals gegen einen sind, stehen die Aussichten schlecht, die eigenen Wünsche durchzusetzen – es sei denn, man scheut nicht vor einer Entscheidung zurück, deren Tragweite kaum abzuschätzen ist …

Wer neugierig geworden ist, sollte zu folgendem Buch greifen:

Alfons Th. Seeboth, Nicki P. Cook (Hrsg.): Yggdrasil der Weltenbaum. Valkyren, die Töchter Odins. Syke, Wölfchen Verlag, 2019, 270 Seiten.
ISBN: 9783943406726

Lesetipps in Kurzform 7 – Märchen von und über Frauen

Immer wieder begegnet einem das Vorurteil, in Märchen, Sagen und Mythen seien Frauen allein auf passive Rollen wie die der vom Helden geretteten Prinzessin reduziert. Zum heutigen Weltfrauentag gibt es daher auf Ardeija.de eine kleine Zusammenstellung von thematisch relevanten Märchenbüchern, die zeigen, dass es an Gegenbeispielen nicht mangelt.

Die Frau, die auszog, ihren Mann zu erlösen

Einer der Klassiker schlechthin auf dem Gebiet der Märchensammlung rund um starke Frauen ist diese Zusammenstellung verschiedenster Geschichten aus ganz Europa von Sigrid Früh. Von listigen Bauerntöchtern über kämpferische Zarinnen bis hin zu einer jungen Soldatin, die mithilfe eines hellseherisch begabten Satyrs einen König erobert, sind hier zahlreiche eindrucksvolle Gestalten in klassischen Märchen versammelt.

Sigrid Früh (Hrsg.): Die Frau, die auszog, ihren Mann zu erlösen. Europäische Frauenmärchen. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch, 1991, 160 Seiten. ISBN: 3596104637

Verzauberte Hosen

Geographisch breiter aufgestellt und vom Tonfall her ganz anders kommt Scharuk Husains Sammlung um als Männer verkleidete Frauen daher. Die Autorin erzählt Geschichten unterschiedlichster Herkunft (vom Volksmärchen über spätmittelalterliche Novellen bis hin zur Legenda Aurea) modern und augenzwinkernd nach und führt so von Italien bis Tibet quer durch die ganze Welt. Ein sympathisch geschriebenes Vorwort und ausführliche Quellennachweise zu den einzelnen Texten runden den lesenswerten Band ab.

Scharuk Husain: Verzauberte Hosen. Frauenmärchen um Liebe, Macht und die Kunst der Verwandlung. Aus dem Englischen von Ruth Melcer. Zürich, Unionsverlag, 1996, 318 Seiten. ISBN: 3293200842

Märchen von starken Frauen

Auf die verschiedensten Kontinente führt auch diese Märchensammlung, deren Titel Programm ist: Monika Kühn präsentiert ganz gezielt selbstbewusst und aktiv handelnde Frauengestalten. Stark sind sie alle, aber nicht unbedingt nett und in ihrer Vorgehensweise zur Nachahmung empfohlen – hier kommen durchaus einmal Schurkinnen in der Hauptrolle zum Zuge, auch wenn die positiven Heldinnen in der Überzahl sind.

Monika Kühn (Hrsg.): Märchen von starken Frauen. München, DTV, 8. Auflage 2000, 240 Seiten. ISBN: 3423202862

Wie Frauen die Welt erschufen

Unter einer ganz anderen Perspektive stellt Frederik Hetmann in dieser Sammlung Geschichten um ebenfalls starke Frauen zusammen: Ihm geht es um die Vorstellung einer weiblichen Schöpfergottheit, die sich nicht nur in zahlreichen Mythen aus aller Welt findet, sondern auch in den verschiedensten Märchen noch anklingt. Obwohl Hetmann sich in seinem Grundansatz stark auf die wissenschafltich nicht unumstrittenen Theorien von Robert von Ranke-Graves aus The White Goddess stützt, gelingt ihm eine anregende und durchaus interessante Auswahl.

Frederik Hetmann (Hrsg.): Wie Frauen die Welt erschufen. Mythen, Märchen und Legenden. Zürich, Unionsverlag, 2001, 256 Seiten. ISBN: 3293201997

Scheherazades Schwestern

Ursula Schulze schließlich legt den Schwerpunkt nicht auf die Protagonistinnen, sondern auf die Autorinnen der von ihr herausgegebenen Kunstmärchen: Alle sind von Frauen verfasst, und zwar durchaus nicht von unbekannten. Von Marie-Catherine d’Aulnoy über Bettine von Arnim, Marie von Ebner-Eschenbach und Selma Lagerlöf bis hin zu Joan Aiken, Ingeborg Bachmann und Christine Nöstlinger sind hier große Namen der Literaturgeschichte versammelt.

Ursula Schulze (Hrsg.): Scheherazades Schwestern. Die schönsten Märchen, geschrieben von Frauen. München, Piper Verlag, 2004, 192 Seiten. ISBN: 3492231921

Bücher passend zur Jahreszeit – Weihnachten und Winter

Das erste Adventswochenende ist eine gute Gelegenheit, noch einmal in einem kurzen Beitrag die im Laufe der Zeit auf Ardeija.de rezensierten Bücher zusammenzustellen, die zu Weihnachten und zum Winter passen.

Weihnachtsgeschichten

Ruth Berger – Eisweihnacht

Diese Liebes- und Familiengeschichte führt ins Frankfurt des 19. Jahrhunderts und schneidet bei allem Weihnachtszauber auch einige ernste Themen an.

Anne Helene Bubenzer – Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown

Hier wird heiter und locker eine Weihnachtsfeier mit Hindernissen geschildert – aus der Sicht eines Teddybären.

Astrid Fritz – Wie der Weihnachtsbaum in die Welt kam

Hauptfigur dieses nett illustrierten Büchleins ist ein jugendlicher Dieb, der nolens volens zum Weihnachtsbaumerfinder wird.

Winterliches

Sameena Jehanzeb – Winterhof

Wer einen Blick auf die düsteren und todbringenden Aspekte des Winters riskieren möchte, wird in diesem modernen Märchen fündig, in dem ein beschaulicher Urlaub schleichend zum Albtraum wird.

Birgit Otten – Winterlied

Der kurze Roman bietet leichte Fantasyunterhaltung um Liebeswirren und eskalierende Konflikte auf einer eingeschneiten Burg.

Buchempfehlung: Winterhof

Als kleines Mädchen hatte die herzkranke Kora seltsame Träume von einer märchenhaften Eiswelt, doch als Erwachsene scheint sie nun selbst wie im Märchen zu leben. In dem fürsorglichen Ben hat sie den perfekten Partner gefunden, die quirligen Zwillinge Elin und Jonna machen das Glück der Eltern perfekt, und mit einer Fahrt ins idyllische Snjórley steht auch noch ein traumhafter Winterurlaub vor der Tür. Höhepunkt des Aufenthalts soll das berühmte Fest mit dem Auftritt der sagenumwobenen Schneekönigin werden. Doch was mit viel Spaß am anderswo selten gewordenen Schnee, vergnüglichen Ausflügen und winterlichen Leckerbissen beginnt, entwickelt sich für Kora rasch wortwörtlich zum Albtraum. Glaubt sie erst noch, dass sich die ins Schreckliche abgeglittene Wiederkehr ihrer Kindheitsphantasien nur in ihrem Kopf abspielt, wird nach und nach deutlich, dass nicht nur für sie selbst viel mehr auf dem Spiel steht als ihr Seelenfrieden …
Nach ihrem furiosen Debüt BRÏN ist Sameena Jehanzeb mit einem neuen Buch zurück. Winterhof ist düstere Fantasy, in der die gruselige und grausame Seite von Märchen im Vordergrund steht. Unter der glitzernden Oberfläche herrschen in Snjórley ebenso archaische wie eherne Gesetzmäßigkeiten, die nicht einmal vor Romanprotagonistinnen haltmachen. Wer an BRÏN also vor allem die optimistische Grundtendenz und die unverwüstliche Durchsetzungskraft der Heldinnen zu schätzen wusste, muss sich hier auf eine ganz andere Art von Geschichte gefasst machen, bei der das Mitfiebern oft eher zum Mitleiden wird. Das in Fantasyromanen um Parallelwelten oder unerkannte übernatürliche Aspekte unserer Wirklichkeit gängige Schema wird hier geradezu auf den Kopf gestellt. Entflieht sonst oft jemand dem eher eintönigen bis unersprießlichen Alltag in phantastische Sphären, ist der titelgebende Winterhof hier eine Bedrohung für ein eigentlich beneidenswert schönes Leben. Auch die Liebe wird nicht wie gewohnt in ihrer Entstehung verfolgt; vielmehr steht eine intakte Familie auf dem Spiel. Wie genau Koras Kampf darum ausgeht, soll hier natürlich nicht verraten werden, aber so viel sei gesagt: Der Verlauf ihres Abenteuers ist wahrlich nichts für schwache Nerven, und wer reine Wohlfühllektüre sucht, ist im schaurigen Snjórley auch an der falschen Stelle. Themen wie Krankheit und Tod oder auch die heikle moralische Frage, wie persönliche Integrität und das Wohl der Allgemeinheit gegeneinander abzuwägen sind, spielen eine wichtige Rolle.
Dass dennoch reichlich Winterzauber aufkommt und die eisige Welt der Schneekönigin nicht nur in ihrer Kälte, sondern auch in ihrer oft befremdlichen Schönheit greifbar heraufbeschworen wird, ist über den Text hinaus der Buchgestaltung zu verdanken, die von der Autorin selbst stammt. Fast jedes der aus gutem Grund rückwärts gezählten Kapitel ist mit einer eindrucksvollen ganzseitigen Illustration versehen, und darüber hinaus sind Winterpalast, Eiskrone und Schneeflocken bzw. -wirbel wiederkehrende Elemente, die Abschnitte einleiten, Seitenzahlen flankieren oder Absätze trennen. Dieser liebevoll ausgearbeitete und bis ins Detail stimmige äußere Rahmen der Geschichte macht das Leseerlebnis zu etwas Besonderem und lässt einen das Buch auch dann noch gern durchblättern, wenn der kurze Roman, den man schnell verschlingt, schon vorüber ist. Allen, die Finsteres und Abgründiges zu schätzen wissen, sei der Ausflug nach Snjórley hiermit empfohlen.

Sameena Jehanzeb: Winterhof. Stockach, Zeilengold Verlag, 2018, 157 Seiten.
ISBN: 9783946955153

Top Ten Thursday: 10 empfehlenswerte Sachbücher

Der Top Ten Thursday ist eine Aktion des Blogs Weltenwanderer. Jeden Donnerstag geht es darum, in Kurzform zehn Bücher vorzustellen, die bestimmten Kriterien entsprechen. Heute ist das Thema wie für mich geschaffen, denn es geht um Sachbücher – und die tauchen in meinem Blog ja sehr häufig auf, da ich sie gern lese.

Damit es nicht langweilig wird, habe ich für die heutige Liste aber gezielt zehn Bücher teilweise schon älteren Datums ausgewählt, die ich hier noch nicht besprochen habe und in denen überwiegend auch andere Themen im Vordergrund stehen als in den ereignis- und alltagshistorischen Sachbüchern, die ich so oft rezensiere.

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Neu rezensiert: 1949

Historische Untersuchungen, die ein spezielles Jahr in den Mittelpunkt stellen, sind populär: Von Eric H. Clines 1177 v. Chr. über Adam Zamoyskis 1812 bis hin zu Florian Illies‘ 1913 dürfte sich mittlerweile ein Beispiel für fast jede Epoche der Menschheitsgeschichte finden. Selten aber erscheint einem das Ergebnis so aktuell und bitter notwendig wie im Falle von Christian Bommarius‘ 1949, einem Buch, das die Gründung der Bundesrepublik ungeschönt in Form eines breiten Panoramas der damaligen Gesellschaft nachzeichnet. Mehr darüber in der neuen Rezension.

Cover Monday (8) – Sagas aus Island

Cover Monday (Moyas Buchgewimmel)

© Sameena Jehanzeb (Moyas Buchgewimmel)

Letzte Woche fehlte die Zeit dafür, aber heute gibt es wieder einen Beitrag zum Cover Monday, der Aktion von Moyas Buchgewimmel, bei der ein schönes oder in irgendeiner Form besonderes Buchcover vorgestellt werden soll. An dem Cover, das ich für heute ausgesucht habe, gefällt mir, dass es die für eine ganze Reihe festgelegte Gestaltung dezent ans Thema des Buchs anpasst.

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