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One Pot Soulfood

Mit One Pot Soulfood setzen die renommierten Kochbuchautorinnen Susanne Bodensteiner und Sabine Schlimm ihre Seelenfutter-Reihe fort, in der wohlige und unkomplizierte Gerichte im Mittelpunkt stehen, die ohne großen Aufwand den Alltag ein bisschen versüßen können. Den Hinweis One Pot im Titel sollte man dabei weitgefasst auslegen – der „Topf“ ist manchmal auch eine Pfanne, eine Auflaufform oder sogar ein Backblech, aber man kommt in der Tat mit wenig Kochgeschirr aus, um eine bunte Vielfalt von Speisen zu zaubern. Der Titel dieses Bandes hätte eigentlich auch Seelenfutter weltweit lauten können, denn die Gerichte – von Mona Binner in eher minimalistischen als besonders seelenwärmenden Fotos effektvoll in Szene gesetzt – decken geographisch eine große Bandbreite ab: Von verschiedensten europäischen Ländern über den Orient, Indien und Ostasien bis nach Amerika kann man sich hier nach Lust und Laune einmal um die Welt kochen. Bei manchen Rezepten ist deshalb auch ein bisschen Einkaufsvorbereitung erforderlich: Jackfruit oder Okraschoten hat wahrscheinlich nicht jeder dauerhaft im Vorratsschrank, um sie spontan nach Feierabend einem schnellen Gericht hinzuzufügen.
Zu diesem Zweck dienen eher die auf Sonderseiten zwischen den großen Kapiteln vorgestellten Vorratsjoker wie z.B. Hülsenfrüchte, Speck oder Tiefkühlbeeren, zu denen gleich passende Rezepte vorgeschlagen werden. Ansonsten gliedert sich das Buch in die Kategorien Vegetarische Wundertöpfe, Fleischiges mit Wohlfühlfaktor, Seelenfutter bei die Fische sowie Seelenstreichler süß und sündig, so dass für wirklich jeden Geschmack das Passende dabei ist. Zu ganz typischem Trostessen wie Pasta, Eintöpfen oder Milchreis gibt es dabei über die eigentlichen Rezepte hinaus schwungvoll formulierte Zusatztexte, die mit historischen Informationen, aber auch mit Empfehlungen zur Auswahl guter Zutaten und mit ganz praktischen Küchentipps aufwarten (und sogar mit einem versteckten Extrarezept – es lohnt sich also, genau zu lesen). Solche kleinen Hinweise – zu Variationen der Gerichte, aber auch z.B. zum Händereinigen nach Kontakt mit Roter Bete – sind auch in den Rezeptteil immer wieder eingestreut und bieten gute Ideen, die man in dieser Form noch nicht überall gelesen hat. Ohnehin sind die originellen Abwandlungen bekannter Gerichte eine große Stärke von One Pot Soulfood (mein Favorit in der Beziehung ist bisher der Heidelbeer-Clafoutis, der schnell gemacht ist, ganz hervorragend schmeckt und den Vergleich mit dem eigentlich mit Kirschen zubereiteten französischen Original nicht zu scheuen braucht).
Nützlich gerade für Singles oder für kleine Haushalte ist auch die Tatsache, dass alle Rezepte für zwei Personen (anders als sonst üblich für vier oder sechs) berechnet sind. Wer nicht jeden Tag für eine ganze Familie oder eine gesellige Besucherrunde kocht, hat es hier also leicht, sofort ohne langes Umrechnen eine angemessene Menge auf den Tisch zu bringen. Neben der unbestreitbar gegebenen praktischen Anwendbarkeit kommt aber auch der Spaß nicht zu kurz: Charmante kleine Einleitungstexte zu jedem Rezept nehmen, oft mit einem Augenzwinkern, eine Einordnung der Herkunft vor oder erläutern, welche Zutaten hier der Seelenfutter-Wirkung besonders dienlich sind.
Wer eine abwechslungsreiche Küche schätzt, einen Hauch von Exotik nicht scheut und dennoch auf eine alltagstaugliche Zubereitung Wert legt, findet bei One Pot Soulfood also genau das, was er sucht.

Susanne Bodensteiner, Sabine Schlimm: One Pot Soulfood. 80 Seelenwärmer-Rezepte für Topf, Blech oder Pfanne. München, Gräfe und Unzer, 2018, 192 Seiten.
ISBN: 97838338677637

 


Genre: Sachbuch allgemein