Clockwork Boys

Die allergiegeplagte Meisterfälscherin Slate wird mit der Leitung eines Himmelfahrtskommandos betraut. Gemeinsam mit ihrem Ex-Geliebten, dem Auftragsmörder Brenner, und mit dem edlen Ritter Caliban, der unter Dämoneneinfluss ein Massaker angerichtet hat, soll sie etwas gegen die Clockwork Boys unternehmen, rätselhafte Maschinenwesen, die den Krieg, der zwischen Slates Heimat und dem benachbarten Stadtstaat Anuket tobt, zugunsten des Feinds entscheiden könnten. Im Erfolgsfall winkt den drei Verurteilten eine Begnadigung, bei Versagen droht ein grausiger Tod durch magische Tätowierungen. Begleitet von dem ebenso gelehrten wie frauenfeindlichen Mönch Edmund brechen sie ins Niemandsland zwischen den Fronten auf, doch dort lauern noch ganz andere Gefahren als die, derer sie Herr werden sollen …
Ein eher mageres Handlungsgerüst, überstrapazierte Running Gags (wie Slates Niesanfälle in Abwesenheit von Taschentüchern) und ein skizzenhafter Weltenbau, der einen manchmal vermuten lässt, dass die Autorin nicht unbedingt weit vorausplant, sondern im Laufe der Geschichte einfach die passenden Phänomene aus dem Hut zaubert – eigentlich gibt es sehr viel, was man an T. Kingfishers (alias Ursula Vernons) Clockwork Boys kritisch sehen kann. Dass man der Geschichte diese Schwächen verzeiht und sich trotzdem geradezu am Kragen gepackt und auf die muntere Queste mitgeschleift fühlt, liegt an den amüsant gezeichneten Figuren, die ein Fantasy- und Rollenspielklischee nach dem anderen anzitieren, um es dann doch auf ungewohnte und manchmal recht philosophische Art zu interpretieren oder gar zu konterkarieren. Ihr nicht immer nur mit Worten ausgetragenes Dauergeplänkel liest sich äußerst unterhaltsam, und manche Situation stellt gekonnt alle Erwartungen auf den Kopf (so etwa der Verlauf eines Banditenüberfalls, dem ebenso elegant wie urkomisch begegnet wird).
Der Spaß ist jedoch auch abgesehen von dem im Hintergrund stets gegenwärtigen Krieg untrennbar mit drastischen und düsteren Elementen verwoben. So trägt Caliban (vermutlich nicht verwandt oder verschwägert mit der gleichnamigen Shakespeare-Gestalt) einen zwar toten, aber redefreudigen Dämon in sich, eine tödliche Seuche geht um, und der freie Wille nicht nur der Hauptfiguren ist immer wieder Einschränkungen unterworfen.
Diese Tendenz, Herzzerreißendes und Humor zu kombinieren, zeichnet auch viele von Kingfishers Kurzgeschichten aus und trägt hier über weite Strecken das Buch, da der übergreifende Plot lange nur ein Vorwand bleibt, um die Abenteurerbande auf den Weg zu bringen und eine zarte Romanze zwischen Slate und Caliban zu erzählen. Diese Liebe mit Hindernissen ist, wie Kingfisher in ihrem Nachwort selbst erläutert, das Herzstück der Clockwork Boys und als Gegenentwurf zur typischen Darstellung schuldbeladener Paladine im Genre konzipiert. Ob es ihr vollends gelungen ist, das Vorbild gegen den Strich zu bürsten, sei einmal dahingestellt, denn natürlich weist Caliban mit seiner Ritterlichkeit und körperlichen Attraktivität auch einige ganz klassische Züge auf, die ihn zum Liebesromanhelden prädestinieren. Wie letztlich alle Interaktionen der Protagonisten ist die Entwicklung der schwierigen Beziehung aber so gelungen geschildert, dass man sie gern verfolgt und sich auf den jüngst erschienenen zweiten Band The Wonder Engine freut.
Apropos zweiter Band: Kingfishers Einschätzung, eine Aufteilung der Geschichte in zwei Bücher sei dringend notwendig gewesen, weil sie sonst zu umfangreich geworden wäre, bringt einen angesichts der 228 Seiten des schmalen Bands dann doch etwas zum Schmunzeln. Aber wie dem auch sei – ausgesprochen vergnügliche Lektüre bieten die  Clockwork Boys allemal, und wer eine frische Variante nostalgischer Questenfantasy sucht, die sich in einem Schwung weglesen lässt, findet hier genau das, was er sucht.

T. Kingfisher: Clockwork Boys. Clocktaur War Book One. Dallas, Argyll Productions, 2017, 228 Seiten.
ISBN: 9781614504061


Genre: Roman