The Idylls of the Queen

Bei einem Bankett am Artushof nimmt der eher unbedeutende Ritter Partrise ein vergiftetes Stück Obst zu sich und stirbt sofort. Wutentbrannt klagt sein Verwandter Mador Königin Guenevere an, die für die Auswahl der servierten Früchte persönlich verantwortlich war, und will ihre Schuld in einem Gerichtskampf beweisen. Der heimlich in Guenevere verliebte Seneschall Kay ist skeptisch, was die Zuverlässigkeit eines solchen Gottesurteils betrifft, und würde seine Herrin gern anders entlasten. Gemeinsam mit Mordred, dem unehelichen Sohn des Königs, nimmt er daher nach besten Kräften Ermittlungen auf und setzt dabei auf die Hilfe der Zauberin Nimue. Doch nicht genug damit, dass es eine Fülle von Verdächtigen gibt (und Kay und Mordred einander diesbezüglich auch gegenseitig nicht ganz über den Weg trauen): Bald steht noch nicht einmal mehr fest, ob Partrise überhaupt das intendierte Opfer war oder ob der Anschlag nicht vielmehr Mordreds Halbbruder Gawaine galt, der sich zahlreiche Feinde gemacht hat …
Phyllis Ann Karr greift in The Idylls of the Queen eine Episode aus dem 18. Buch von Thomas Malorys Le Morte Darthur auf und zaubert daraus bei großer Treue zur Vorlage etwas ganz Bemerkenswertes, nämlich einen packenden Fantasykrimi, den man auch dann gebannt liest, wenn man ihre spätmittelalterliche Inspirationsquelle und damit Mörder und Motiv von Anfang an kennt. Magie ist in der gezielt ahistorischen Artuswelt, die hier heraufbeschworen wird, selbstverständlich, aber auch wenn sich hellseherische Kräfte wie eine Art rückwirkende Überwachungskamera einsetzen lassen, gilt das nur mit gewissen Einschränkungen, die der Täter offensichtlich kennt und für sich zu nutzen weiß. Der eigentliche Fall und seine Aufklärung würden auch ohne übernatürliche Elemente funktionieren, doch natürlich tragen sie zum Reiz der Kulisse erheblich bei.
Die größte Stärke des Romans sind allerdings die Figuren, allen voran das ungleiche Ermittlerduo Kay und Mordred. Wer sich ein wenig mit der mittelalterlichen Artusepik auskennt, weiß, dass Kay darin nicht notwendigerweise den besten Ruf genießt, sondern als grober und unhöflicher Geselle, der im Zweikampf oft das Nachsehen hat, als Folie für heldenhafter gezeichnete Ritter herhalten muss. Hier ist er ein herrlich ironischer und reflektierter Ich-Erzähler, der das Bild, das die Öffentlichkeit von ihm hat, genussvoll auseinandernimmt und ganz generell Wertmaßstäbe und Verhalten seiner Umgebung hinterfragt. Artus, Merlin und vor allem auch der Kay nicht nur als Rivale um die Gunst der Königin verhasste Lancelot kommen dabei weitaus schlechter weg als in vielen gängigen Darstellungen. Mordred seinerseits könnte eigentlich ein heroischerer Kämpe als manch ein populäreres Mitglied der Tafelrunde sein, wenn er sich mit seiner Überzeugung, aufgrund seiner inzestuösen Herkunft verflucht zu sein, nicht ständig selbst im Wege stünde.
Diese Psychologisierung der vertrauten Sagengestalten funktioniert auch bei den übrigen Figuren sehr gut, ganz gleich, ob es sich nun um die große Schar von Verdächtigen oder um nur am Rande Beteiligte handelt. Generell zeigt der Besuch bei der interpretatorisch gegen den Strich gebürsteten, von den reinen Fakten her aber sehr quellentreuen Tafelrunde, die ihre besten Zeiten hinter sich hat, dass sich frisch, originell und modern anmutende Fantasy nicht unbedingt immer unter den Neuerscheinungen findet, sondern dass auch ein über dreißig Jahre altes Werk hervorragend altern kann.

Phyllis Ann Karr: The Idylls of the Queen. A Tale of Queen Guenevere. Berkeley Heights, Wildside Press, 1999 (Original: 1982), 341 Seiten.
ISBN: 0781587150128


Genre: Roman