Kaninchen Alan hat nach dem Verlust seiner Stelle als Journalist das Stadtleben satt und zieht nach Wakerobin Hollow, in die alte Heimat seiner Großeltern, in der Hoffnung auf Ruhe und Landidylle. Doch ganz so einfach wie geplant ist der Neuanfang als Schriftsteller in den Bergen nicht, denn beileibe nicht alle Ortsansässigen sind dem Fremden wohlgesonnen, und schon Alltagsbesorgungen wie die Brennholzbeschaffung laufen hier ganz anders ab als gewohnt. Als dann auch noch Opossum Zeke bei Alan Geld vermutet und ihn auf einem Waldspaziergang überfällt, hat er endgültig genug von dem, worauf er sich hier eingelassen hat – nur, um sich unverhofft als Zekes Verbündeter wiederzufinden, als beide sich einem weit bedrohlicheren gemeinsamen Gegner gegenübersehen. Denn in den Wäldern um Wakerobin Hollow hausen die moonhounds, gefährliche Hunde, die sich angeblich nicht einmal zu schade sind, um mit den gefürchteten Feen zu paktieren, und mit einem von ihnen, Duke, hat Zeke noch eine Rechnung offen und will dringend einen ganz speziellen Gegenstand zurückstehlen, den Duke entwendet hat. Alan lässt sich breitschlagen, ihm zu helfen, und so findet er sich, ganz im Gegensatz zu seinen ursprünglichen Plänen, im Handumdrehen in einem Abenteuer wieder, das ihn Kopf und Kragen kosten könnte …
K. C. Shaws über ein Crowdfunding finanziertes Buch The Moonhound ist der erste Band einer Serie um die Ortschaft Wakerobin Hollow, die in einer Welt liegt, in der anstelle von Menschen anthropomorphe Tiere wie der Protagonist Alan neben wirklich tierischen (wie Zugpferden, Legehennen oder wilden Hirschen) leben. Die Mischung aus Cozy Fantasy und Abenteuer liest sich sympathisch und vergnüglich und profitiert davon, dass Shaw trotz aller Wohlfühlmomente zwischen kulinarischen Genüssen und Tanzfest nicht in die Falle tappt, ihr Setting allzu süßlich zu gestalten. Zwar bilden die pittoreske Kulisse und ihre teilweise herrlich kauzigen Bewohner einen gemütlicheren Rahmen für die Handlung, als so manch anderer Fantasyroman ihn zu bieten hat, aber Armut, unter anderem auch daraus resultierende Kriminalität, Landflucht, Lost Places und nicht zuletzt Vorurteile zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen werden immer wieder thematisiert, so dass die Sorgen und Probleme verschiedener Figuren durchaus realistische Züge tragen.
Die kurze und recht geradlinig erzählte Geschichte verrät trotz aller ernsten Themen und Actioneinlagen einen netten Humor: So merkt Alan einmal gedanklich positiv an, dass Zeke schon seit über vierundzwanzig Stunden nicht mehr versucht hat, ihn auszurauben (das muss Freundschaft sein!), und die Auflösung, was für einen Gegenstand Zeke aus sehr nachvollziehbaren Gründen unbedingt zurückstehlen möchte, kommt unerwartet und ist bei aller Logik dahinter doch für einen Lacher gut, allein schon aufgrund der daraus resultierenden praktischen Probleme.
So macht es viel Spaß, zu verfolgen, wie sich zwischen Alan und Zeke eine Freundschaft entwickelt, aus der vielleicht sogar noch mehr werden könnte; denn zumindest in Alans Fall wird doch recht klar angedeutet, dass er attraktiven Herren mehr abgewinnen kann als den Damen, mit denen ihn das halbe Dorf schon gedanklich verkuppelt, und auch Zeke hat umgekehrt an ihm womöglich etwas mehr Interesse, als es bei einem rein kameradschaftlichen Verhältnis der Fall wäre. Das liefert einen der Anknüpfungspunkte für die Fortführung der Serie, denn auch wenn hier eine Episode einen Abschluss zumindest auf Zeit findet, bleiben noch genügend Handlungsstränge offen, um die Spannung auf den weiteren Verlauf der Geschichte wachzuhalten. Wenn auch weitere Bände so unterhaltsam daherkommen wie The Moonhound, lohnt sich das Warten darauf.
K. C. Shaw: The Moonhound. Wakerobin Hollow: Book One, o.O. (Selbstverlag) 2026, 137 Seiten (E-Book, PDF; auch als Taschenbuch erhältlich).
ISBN 979-8-9856688-3-4