Top Ten Thursday: 10 empfehlenswerte Sachbücher

Der Top Ten Thursday ist eine Aktion des Blogs Weltenwanderer. Jeden Donnerstag geht es darum, in Kurzform zehn Bücher vorzustellen, die bestimmten Kriterien entsprechen. Heute ist das Thema wie für mich geschaffen, denn es geht um Sachbücher – und die tauchen in meinem Blog ja sehr häufig auf, da ich sie gern lese.

Damit es nicht langweilig wird, habe ich für die heutige Liste aber gezielt zehn Bücher teilweise schon älteren Datums ausgewählt, die ich hier noch nicht besprochen habe und in denen überwiegend auch andere Themen im Vordergrund stehen als in den ereignis- und alltagshistorischen Sachbüchern, die ich so oft rezensiere.

John Cherry (Hrsg.): Fabeltiere. Von Drachen, Einhörnern und anderen mythischen Wesen. Stuttgart, Reclam, 1997, 318 Seiten. ISBN: 3150104297

Diese Übersetzung einer Publikation des British Museum bietet in von verschiedenen Experten verfassten Kapiteln eine versierte kunst- und kulturhistorische Einordnung von Drachen, Einhörnern, Greifen und noch manch anderen Fabelwesen. Die Bebilderung ist üppig, und ein kleiner Lexikonteil am Ende des Buchs informiert über weitere Kreaturen, die man vermutlich selbst als Fantasy- oder Mythologiefan noch nicht alle kennt – von Aigamuxa bis Ziz.

Christa Tuczay: Magie und Magier im Mittelalter. München, DTV, überarbeitete Neuausgabe 2003, 396 Seiten. ISBN: 3423340177

Oft werden Hexenbegriff und Zaubereivorstellung der Frühen Neuzeit unreflektiert auf das Mittelalter übertragen. Wer wissen möchte, wie es abseits solcher Rückprojektionen tatsächlich um magische Praktiken im Mittelalter und ihre Darstellung in der zeitgenössischen Literatur bestellt war, findet in Christa Tuczays Studie eine wahre Fundgrube, die von den antiken Wurzeln über schamanisch anmutende Überzeugungen bis hin zu den Verbindungen der Magie zu Religion und Wissenschaft alle möglichen Aspekte abdeckt.

Dorothea Arnold: Die ägyptische Kunst. München, C. H. Beck, 2012, 128 Seiten. ISBN: 9783406632136

Diese kompakte, gut lesbare Einführung stellt Architektur, Statuen, Reliefs und Malereien aus dem Alten Ägypten vor und erläutert ihre kulturelle Funktion, aber auch die Hintergründe der charakteristischen Darstellungsweise. Neben der Rückschau aus heutiger kunsthistorischer Perspektive geht es dabei aber auch immer wieder um das Kunstverständnis der alten Ägypter selbst und ihre besondere Art, Bildtraditionen jahrhundertelang zu bewahren und immer wieder neu zu interpretieren.

Gary Hamilton: Arctic Fox. Life at the Top of the World. Photographs by Norbert Rosing. London, A & C Black, 2008, 232 Seiten. ISBN: 9781408106983

Wer Polarfüchse mag – und eigentlich gibt es keinen guten Grund, die schlauen, verspielten Gesellen nicht zu mögen -, kommt an diesem schönen Bildband nicht vorbei. Von der Evolutionsgeschichte der Eisfüchse über ihren Alltag bis hin zur heutigen Bedrohung ihres Lebensraums gibt es hier viel zu entdecken. Die Texte des Journalisten Gary Hamilton lesen sich spannend, aber vor allem lebt das Buch von Norbert Rosings grandiosen Fotos, die einen tief in die arktische Welt der kleinen Füchse eintauchen lassen.

Klaus Echle, Anna Rummel: Fuchs ganz nah. Die Geschichte einer Freundschaft. München, BLV, 2013, 128 Seiten. ISBN: 9783835411777

Weil es so schön ist, gleich noch ein Fuchsbuch (denn Fuchsbücher kann man ja eigentlich nie genug haben): Auch hier stehen wunderbare Fotos im Mittelpunkt und illustrieren die sympathische Geschichte der Freundschaft einer Forstwirtin und eines Försters mit einer jungen Rotfüchsin.

Günther Schumann: Mein Jahr mit den Füchsen. Ungewöhnliche Erlebnisse in freier Wildbahn. Mit einem Vorwort von Erik Ziemen. Gudensberg-Gleichen, Wartberg Verlag, 3. Aufl. 1992, 63 Seiten. ISBN: 3925277722

Erwähnte ich bereits, dass man nie genug Fuchsbücher haben kann? Auch dieses hier bietet selbstverständlich schöne Fotos und die Geschichte einer Freundschaft zunächst mit einer Füchsin allein, dann aber mit ihrer gesamten Fuchsfamilie. Kein Wunder also, dass es seit sehr langer Zeit zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Und natürlich könnte ich jetzt mit dem vierten Fuchsbuch weitermachen, aber ich möchte ja niemanden ärgern …

Patrick Trevor-Roper: Der veränderte Blick. Über den Einfluß von Sehfehlern auf Kunst und Charakter. München, DTV, 2001, 240 Seiten. ISBN: 978342324240X

Sehschwächen aller Art gab es schon immer – aber wie wirken sie sich eigentlich auf das künstlerische Schaffen eines Menschen aus? In diesem Buch geht ein englischer Augenarzt der Frage nach, und auch wenn man nicht jede seiner Deutungen unterschreiben möchte, ist es doch spannend, was er aus den Bildern so bekannter Maler wie Dürer, Holbein oder Rembrandt über deren Augen schließt. Interessant ist auch seine Beobachtung, dass die Behebung einer Fehlsichtigkeit die Betroffenen nicht in jedem Fall glücklicher macht oder positive Auswirkungen auf ihre Kreativität hat.

Ditte und Giovanni Bandini: Das Buch der Elfen und Feen. München, DTV, 2003, 280 Seiten. ISBN: 9783423243858

Dieser Band kann stellvertretend für die Reihe von Mythologiebüchern stehen, die das Autorenduo verfasst hat (neben den Elfen sind auch den Engeln, Drachen und Zwergen eigene Bücher gewidmet). In allen Fällen wird unterhaltsam und kenntnisreich der Darstellung der jeweiligen Wesen in Mythologie, Literatur und Kunst nachgespürt, oft unter Rückgriff auf umfassende Primärtextzitate.

Charlotte Oberfeld (Hrsg.): Wie alt sind unsere Märchen? Regensburg, Röth, 1990 (Veröffentlichungen der Europäischen Märchengesellschaft 14), 252 Seiten. ISBN: 3876803551

In dieser Aufsatzsammlung geht es um vielerlei: Märchenmotive, die schon in Antike und Mittelalter fassbar sind, mündliches und schriftliches Erzählen und nicht zuletzt das Verhältnis zwischen Mythos und Märchen in verschiedenen Weltgegenden. Nicht alle Beiträge sind gleich gelungen, aber insgesamt bietet sich hier dennoch eine interessante Sicht auf das Phänomen Märchen.

Jean-Noël Kapferer: Gerüchte. Das älteste Massenmedium der Welt. Leipzig, Kiepenheuer, 1996, 360 Seiten. ISBN: 337801007X

Die Art der Vebreitung mag sich mit der Zeit geändert haben, aber Gerüchte sind so alt wie die Menschheit. Was sie über Ängste und Wünsche Einzelner und der Gesellschaft verraten, welche sozialen Funktionen sie erfüllen und in welchem Verhältnis sie zu „modernen Sagen“ (urban legends) stehen, wird hier klug und gut lesbar analysiert. Aus heutiger Sicht spannend ist auch und gerade, dass dieses Buch vor dem Social-Media-Boom entstanden ist, aber schon klar bestimmte Kommunikationsmechanismen benennt, die mittlerweile im Internet einen idealen Nährboden gefunden haben, ohne erst mit ihm entstanden zu sein.

 

8 Gedanken zu „Top Ten Thursday: 10 empfehlenswerte Sachbücher

  1. Martin

    Hallo,
    ich habe kein einziges Fuchsbuch, aber vielleicht ändere ich das mal…
    Allerdings klingt von den hier von dir genannten Büchern nur das von Gary Hamilton interessant, bei Büchern, bei denen es um Freundschaft zwischen Tier und Mensch (oder so was ähnlichem) geht wurde ich bisher fast immer enttäuscht. Ist wohl nicht die Art von Büchern, die ich mag.
    Von deinen anderen Büchern kenne ich nur das von den Bandinis. Von denen habe ich vor Jahren einige Bücher gelesen.
    Das Buch von John Cherry steht jetzt auf meiner Wunschliste.
    Liebe Grüße
    Martin
    Mein Beitrag (ohne Füchse): https://bit.ly/2OcNElZ

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    1. Ardeija Beitragsautor

      Welche Tierbücher einem zusagen, ist natürlich Geschmackssache – das Hamilton-Buch über die Polarfüchse ist eben in höherem Maße ein klassisches Sachbuch, während die anderen beiden hier genannten Fuchsbücher eher Erlebnisberichte sind (die aber für mich jeweils recht gut funktionieren und auch interessante Informationen bieten). Mit den „Fabeltieren“ viel Spaß!

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  2. j125

    Hallo :)

    in Romanen kann ich mit mythischen oder fantastischen Wesen so gar nichts anfangen, aber das Buch über Fabeltiere hört sich irgendwie interessant an.

    „Der veränderte Blick“ hört sich thematisch auch cool an. Da muss ich online mal ein bisschen recherchieren, ob ich eine Leseprobe oder so finde.

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Ardeija Beitragsautor

      Das Fabeltier-Buch ist spannend und nimmt eben tatsächlich die gesamte Kulturgeschichte in den Blick, nicht nur die neuzeitliche Literatur.

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  3. BücherFantasie

    Hey,

    von deinen Büchern habe ich noch keines gelesen, aber „Wie alt sind unsere Märchen?“, „Das Buch der Elfen und Feen“, „Fabeltiere“ und „Magie und Magier im Mittelalter“ interessieren mich spontan sehr. Die Bücher werde ich mir mal alle genauer anschauen, denn thematisch sprechen sie mich auf jeden Fall an. Gerade mit Märchen befasse ich mich gerne.
    Unser Beitrag

    Noch einen schönen Abend!
    Liebe Grüße,
    Kerstin

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    1. Ardeija Beitragsautor

      Es freut mich, wenn du einiges entdeckt hast, das dich neugierig macht! Märchen und Märchenforschung reizen mich auch immer wieder einmal. Umgekehrt finde ich aber auch deine Liste sehr interessant.

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  4. Aleshanee

    Guten Abend :)

    Jetzt komme ich auch endlich zum Stöbern – und du hast eine interessante Liste!

    Vor allem interessieren mich die Bücher über Märchen, Fabeltiere und Magie im Mittelalter. die sind sicher total spannend, aber irgendwie kann ich mich nicht überwinden – auch wenn mich was interessiert greif ich dann doch meist zur „Unterhaltungsliteratur“ :D
    Das letzte über die Entstehung von „Gerüchten“ ist sicher auch interessant. Wenn man nur mehr Lesezeit hätte … ^^

    Bei Tierbüchern – auch mit Bildern – da muss ich ehrlich sagen, da schau ich mir dann doch lieber Dokumentationen an. Obwohl es sicher auch großartige Bilder gibt. Kennst du zufällig das von Tippi? Diesem kleinen Mädchen, dessen Eltern französische Fotografen sind? Die haben ein Buch mit ihrer Tochter rausgebracht, immer zusammen mit Tieren, aber so nah auf Tuchfühlung, das ist echt grandios. Ist schon sehr alt das Buch.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Ardeija Beitragsautor

      Es ist doch auch nicht schlimm, Unterhaltungsliteratur vorzuziehen! Ich lese nur einfach beide Arten von Büchern gern, insofern kostet es mich keinerlei Überwindung, zu einem Sachbuch zu greifen, wenn sein Thema mich interessiert.

      Das Buch, das du meinst („Tippi aus Afrika“, oder?), habe ich vor Ewigkeiten einmal irgendwo gesehen, habe es aber nie gelesen.

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