The Wonder Engine

Das hier besprochene Buch ist der zweite Teil einer Reihe. Der erste Band Clockwork Boys ist hier rezensiert.

Nach einer gefahrvollen Reise sind die Fälscherin Slate, der Paladin Caliban, der Mörder Brenner und der Mönch Edmund in Anuket eingetroffen, wo sie weiterhin den Ursprung der Clockwork Boys, bedrohlicher Kriegsmaschinen, zu ergründen versuchen. Der im Zuge ihrer bisherigen Abenteuer aus einer misslichen Lage gerettete Grimehug aus dem dachsartigen Volk der Gnole erweist sich dabei als wertvolle Unterstützung. Doch Slate hat sich bei einem früheren Aufenthalt in Anuket mächtige Feinde gemacht, und ihrer Rache zu entkommen, ist fast genauso schwierig, wie etwas über den Verbleib des Gelehrten in Erfahrung zu bringen, der vielleicht über das entscheidende Wissen zur Lösung des Rätsels verfügt …
Für The Wonder Engine, den zweiten Band von T. Kingfishers (alias Ursula Vernons) Zweiteiler Clocktaur War, gilt in hohem Maße das, was schon am ersten Band Clockwork Boys aufgefallen ist: Es gibt vieles, was man kritisieren kann, aber alles in allem bietet das Buch dennoch vorzügliche Unterhaltung. Am meisten stören in diesem Band sicher der schwache Auftakt der dramatischen Auflösung, der sich wie die Beschreibung eines Kampfs gegen einen bizarren Computerspielendgegner mit hohem Ekelfaktor liest, eine Reihe von übersehenen Flüchtigkeitsfehlern (heißt z.B. die Mutter von Slates Informantin nun Blind Molly oder Blind Jenny?) und eine gewisse Vorhersehbarkeit. Allen, die wie die Rezensentin schon am Ende von Band 1 einen Verdacht hatten, wo sich der dort so jäh verschwundene Dämon aufhalten könnte, sei also hiermit möglichst spoilerfrei gesagt, dass er in der Tat genau da ist, wo man ihn vermutet, und dass das auch exakt die durch zahlreiche Vorausdeutungen im Laufe beider Bände angekündigten Konsequenzen hat. Während man das Was in diesem spezifischen Handlungsstrang also schon früh erahnen kann, ist das Wie zugegebenermaßen durchaus packend in Szene gesetzt und wird von den nach wie vor feinfühlig und mit viel Humor geschilderten Figuren getragen.
Die Charaktere, die alle jeweils eine schlüssige Entwicklung durchmachen, sind also auch diesmal das Herzstück der Geschichte und in ihrer Vielschichtigkeit glaubwürdig. Glücklicherweise gewinnt auch der im ersten Teil noch etwas beliebig wirkende Weltenbau hier an Tiefe, insbesondere, was die Gnole betrifft, zu denen Vernon spannende Ideen über körperliches, soziales und grammatisches Geschlecht und über die Bedeutung nonverbaler Kommunikation entwickelt. In diesem Zusammenhang darf auch Edmund besonders glänzen, der sonst im komplizierten Beziehungsgeflecht der Hauptfiguren eher etwas nebenherläuft. Vergnüglich und zuweilen anrührend ist auch Vernons Gespür für Alltäglichkeiten wie Taschentücher, Socken oder Zigaretten, die in den passenden Situationen allesamt mit viel Bedeutung aufgeladen werden und so ein beträchtliches Maß unmittelbarer Menschlichkeit in die Weltrettungshandlung mit einfließen lassen.
In der Zusammenschau betrachtet bilden beide Bücher so ein lesenswertes und originelles Fantasyabenteuer, das einerseits genug gewohnte Elemente enthält, um über weite Strecken ein wohlig-nostalgisches Questenvergnügen zu bieten, ihnen andererseits aber solch ein individuelles Gepräge verleiht und derart gezielt mit literarischen Klischees spielt, dass der intellektuelle Spaß am Lesen hinter der emotionalen Ebene nicht zurückbleibt.

T. Kingfisher: The Wonder Engine. Clocktaur War Book Two. Red Wombat Tea Company, 2018, E-Book (Kindle Edition).

 


Genre: Roman