Unter den Funden aus der Römerzeit zählen Glasgegenstände oft zu den schönsten. Wie viel sich an ihnen über ihren künstlerischen Wert hinaus ablesen lässt, schildert die Archäologin Andrea Rottloff in Geformt mit göttlichem Atem, einem hochinteressanten Buch, das aber leider als Bildband seine Schwächen hat. Die neue Rezension ist hier zu finden.
Neu rezensiert: Aus Liebe zum Buch
Ironischerweise habe ich ausgerechnet Ann Patchetts Aus Liebe zum Buch, ein Büchlein, in dem es um die Gründung einer Buchhandlung und den Zauber solcher Läden geht, keinem Einkauf im Buchladen zu verdanken, sondern einem Gewinnspiel. Ein Zufallsbuch also, das sich aber gut liest – mehr darüber in der neuen Rezension.
Der Reigen unrezensierter Bücher
In meinen allgemeinen Bemerkungen zum Rezensieren habe ich einmal erklärt, dass nicht jedes Buch, das ich lese, auch auf Ardeija.de besprochen wird. Warum darunter auch manch eines ist, das inhaltlich eigentlich gut zu den anderen im Blog passen würde, soll hier rasch an einigen Beispielen aus meiner Lektüre der letzten Wochen erläutert werden.
Das erste unrezensierte Buch, Harry Sidebottoms militärhistorische Studie Der Krieg in der antiken Welt (ISBN 9783150203972), ist eigentlich lesenswert, geht es darin doch weniger ums schiere Hauen und Stechen als um die kulturelle Bedeutung des Kriegs für Selbst- und Fremdbild der Menschen des Altertums und für die Entwicklung bestimmter sozialer Phänomene, daneben aber auch um die moderne Rezeption antiker Kriege und mögliche Fehlannahmen darüber. Doch naturgemäß gibt es weitreichende thematische Überschneidungen mit Armin Eichs vor kurzem besprochenen Söhnen des Mars, die – umfangreicher und von der Perspektive her grundsätzlicher ausgerichtet – noch ein wenig mehr zu bieten haben. Nach der Betrachtung von Eichs Buch wäre eine tiefergehende Beschäftigung mit Sidebottoms Werk daher nicht sonderlich abwechslungsreich gewesen, und so ist es als kurzer Tipp am Rande besser aufgehoben.
Auch im Falle der beiden im 18. Jahrhundert angesiedelten Historienkrimis von Petra Oelker, Die Schwestern vom Roten Haus (ISBN 9783499246111) und Die Nacht des Schierlings (ISBN 9783499254390), ist es nicht im engeren Sinne eine Frage der Qualität, dass sie es nicht zu einer Rezension gebracht haben. Das Problem ist ein ganz anderes: Obwohl die beiden Romane als getrennte Episoden der auf relativ in sich abgeschlossene Einzelbände angelegten Serie um die Schauspielerin Rosina verkauft werden, gehören sie eng zusammen und können kaum getrennt gelesen oder besprochen werden. Fast hat man den Verdacht, dass hier – vielleicht von Verlagsseite? – aus Umfangsgründen eine einzige lange und verwickelte Geschichte mehr schlecht als recht in zwei Teile gespalten wurde, ohne den Zusammenhang äußerlich kenntlich zu machen. So aber bleiben in den Schwestern zentrale Fragen eines ganzen Handlungsstrangs ungeklärt, während in der Nacht das erst sehr spät eingeführte Mordmotiv wie ein deus oder vielmehr diabolus ex machina wirkt, wenn man das vorhergehende Buch nicht kennt, in dem die Grundlagen zum Verständnis des folgenden Falls geschaffen werden. Was also tun? Eine Doppelrezension für zwei zwar solide und unterhaltsame, aber auch nicht herausragende Krimis konzipieren oder aber ganz auf eine Besprechung verzichten? Ich habe mich für die zweite Variante entschieden.
Dagegen ist es Ari Turunens Kann mir bitte jemand das Wasser reichen? Eine kurze Geschichte der Arroganz (ISBN 9783312006717) zum Verhängnis geworden, dass jede Kritik unweigerlich zu einem halben Verriss geraten wäre. Das mochte ich dem Buch dann auch wieder nicht antun, denn im Prinzip ist Turunens Grundidee löblich: Er zeigt auf, dass viele katastrophale Fehlentscheidungen in der Geschichte und im heutigen Wirtschaftsleben auf Arroganz und Selbstüberschätzung zurückzuführen sind.
Problematisch daran ist jedoch, dass er ohne jegliche Quellenkritik Anekdoten als historische Wahrheit kolportiert oder schlicht falsche Feststellungen trifft. Am besten lässt sich sein sehr freier Umgang mit den Fakten veranschaulichen, wenn man seine Angaben über einen konkreten Vorfall mit dem vergleicht, was darüber tatsächlich in Erfahrung zu bringen ist. So liest man etwa bei Turunen mit Befremden: „Der spanische König Philipp II. verbrannte vor seinem Kamin, weil sein Hofstaat den Beamten, dessen Aufgabe es war, den Sessel des Königs zu verrücken, nicht schnell genug fand.“
Eine Quelle für diese wilde Geschichte gibt Turunen nicht an, aber der Bericht, der ihn inspiriert haben dürfte, hat Philipp III. (und nicht etwa seinen Vater) zum Protagonisten und findet sich in den Memoiren des François de Bassompierre, der aus seiner Perspektive als französischer Gesandter am spanischen Hof die dortige Besessenheit von Etikette und Rangfolgen karikiert. Doch bei allem unterschwelligen Spott über die spanischen Gebräuche stellt Bassompierre den Sachverhalt nicht ganz so dramatisch dar: Hier fordert der gesundheitlich bereits schwer angeschlagene König einen anwesenden Herzog auf, ein Kohlenbecken zu verschieben, dessen Hitze ihm lästig wird, woraufhin der Angesprochene auf die Zuständigkeit eines anderen verweist, der erst umständlich herbeigeholt wird. Die lange Wärmeeinwirkung wird als Grund dafür angegeben, dass sich beim König am Folgetag Fieber und Hautausschlag entwickeln, denen er letzten Endes erliegt.
Sollte es sich tatsächlich so zugetragen haben, bietet auch diese Version noch reichlich Anlass zu Kritik an den Zwängen des Hofzeremoniells und am individuellen Verhalten Beteiligter, aber von der Schauermär über einen aus reinem Hochmut in Flammen aufgegangenen Herrscher ist sie weit entfernt.
Die Versuchung, auch andere Aussagen Turunens ähnlich auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen, wäre bei einer Rezension sehr groß gewesen, und hätte vielleicht auch in Eifer des Gefechts zu mehr Spott verleitet, als ihn das eigentlich gut gemeinte und immerhin anregend und flüssig geschriebene Buch verdient hätte.
So bleibt allen vier Werken also auf Ardeija.de nur die Rolle, vor Augen zu führen, welche Überlegungen einer Besprechung im Wege stehen können.
Neu rezensiert: Die Liebe meines Vaters
Ein eng umschlungenes Paar auf dem Buchcover, ein Klappentext, der von Leidenschaft und von einem Protagonisten, der sein Herz verliert, erzählt – eine Liebesgeschichte wie jede andere auch, könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Dass Sabine Eichhorsts kluger Roman vielmehr ein furioses Psychogramm gleich mehrerer Generationen des 20. Jahrhunderts ist, erfährt man in der neuen Rezension.
Werbung in eigener Sache: Tricontium
Tricontium wurde schon 2013 zum ersten Mal veröffentlicht, aber nun liegt mein Roman in einer überarbeiteten Neuausgabe vor und ist ab sofort im Buchhandel bestellbar.
Gerechtigkeit ist oft nicht mehr als ein frommer Wunsch – das weiß Herrad, die Richterin, die mit ihrer Versetzung in das abgelegene Tricontium hadert, ebenso gut wie Ardeija, der drachenzähmende Hauptmann ihrer Krieger, oder Wulfila, der Dieb, der Jahre nach seiner Verurteilung unerwartet wieder in ihr Leben tritt. Doch als sich in den Grenzlanden Geisterspuk und gewaltsame Übergriffe zu häufen beginnen, wollen die drei nicht tatenlos zusehen, auch wenn bald keine Menge Tee mehr ausreicht, um gelassen zu bleiben. Denn die Hintergründe der rätselhaften Vorgänge scheinen in einer Zeit zu liegen, die alle gern vergessen würden: Den düsteren Tagen des Bürgerkriegs …
Wer Lust hat, einen Ausflug in ein eher sagenhaftes als historisches Frühmittelalter zu unternehmen, in dem neben römischen Ruinen nicht nur ein paar gezielte Anachronismen, sondern auch reichlich Gespenster und Fabelwesen zu finden sind, für den ist Tricontium das richtige Reiseziel.
Tricontium ist bei BoD erschienen und als Taschenbuch (ISBN: 9783739239743, 17 EUR) oder als eBook (ISBN: 9783741246968, in den ersten zwei Wochen: Aktionspreis 5,99 EUR, danach 6,99 EUR) erhältlich.
Mehr über meine Geschichten auch hier.
Neu rezensiert: Tatort Kunst
Auf Ardeija.de wird es nicht nur künstlerisch, sondern zugleich kriminell: Was für ein fesselndes Thema Fälschungen aller Art und nicht zuletzt die schillernden Gestalten, die für sie verantwortlich zeichnen, bilden können, beweist die Lektüre von Tatort Kunst. Die neue Rezension verrät mehr darüber.
Neu rezensiert: Die Söhne des Mars
Der fröhliche Bogenschütze aus der Äginetengruppe, der das Titelbild dieses Bandes ziert, lässt es nicht auf den ersten Blick vermuten, aber Armin Eichs neues Buch ist eine sehr kritische und sensible Auseinandersetzung mit dem Phänomen Krieg. Näheres dazu in der neuen Rezension.
Lesetipps in Kurzform (Bücher und Links)
Die nächste längere Rezension ist bereits in Arbeit, doch um die Zeit bis zu ihrer Veröffentlichung zu überbrücken, gibt es hier schon einmal ein paar Lesetipps in Kurzform, mit denen sich auch ein Wochenende mit ungemütlichem Wetter gut überstehen lässt.
Buchtipps
Ritter und Elfen, Liebe und Tod
Gerade in der dunklen Jahreszeit kann es großen Spaß machen, sich literarisch in ferne und mythische Welten zu flüchten. Dass dazu nicht immer ein Fantasyroman notwendig ist, beweist diese schöne Anthologie skandinavischer Balladen, die ihre Wurzeln zumeist im Spätmittelalter haben und vom 16. bis ins 19. Jahrhundert gesammelt wurden. Während die Einleitung und der Anhang mit mehr oder minder knappem Kommentar zu jedem einzelnen Gedicht eine kulturhistorische Einordnung erlauben, liegt der Hauptreiz des auch in seiner Aufmachung attraktiven Bandes natürlich in den von der Textgestalt her oft schlichten, aber vor düsterer Fabulierfreude überbordenden Balladen. Hier gibt es Elfen, Werwölfe und in Bäume verwandelte Jungfrauen zu entdecken, aber auch Mord und Totschlag sind nicht fern. Am besten skizzieren lässt sich die vorherrschende Atmosphäre wohl mit der Einschätzung der Herausgeber, dass die Ballade eine Art dunklere und pessimistischere Schwestergattung zum Märchen bildet, dessen verzauberte Welt sie teilt. Aber keine Sorge: Das ein oder andere glückliche Ende lässt sich selbst in diesem Buch finden!
Klaus Böldl, Katarina Yngborn (Hrsg.): Ritter und Elfen, Liebe und Tod. Nordische Balladen des Mittelalters. München, C.H. Beck, 2011, 157 Seiten.
ISBN: 978-3406623950
Pompeii und die Römische Goldküste. Ein Zeitreiseführer in das Jahr 78
Eine ganz andere Art von Phantasiereise lässt sich mithilfe von Karl-Wilhelm Weebers reich illustriertem „Zeitreiseführer“ unternehmen: Scheinbar an römerzeitliche Leser gerichtet gibt es hier in moderner Sprache reichlich Tipps, um als Tourist in Pompeii und nahegelegenen Orten im Jahr vor dem fatalen Vesuvausbruch einen angenehmen Aufenthalt zu verbringen. Neben den Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten machen vor allem die zahlreichen praktischen Hinweise Spaß, aus denen sich teilweise durchaus einiges über das römische Alltagsleben lernen lässt, während andere Details einfach nur witzig und zeitlos sind (so etwa die Tatsache, dass im kleinen lateinischen Sprachführer des Buchs auch für den Fall vorgesorgt ist, dass man sich über eine Fliege im Essen beschweren möchte). Ganz gleich, ob man nun lieber vom Sightseeing in einer noch unzerstörten Römerstadt träumt oder davon, sich im mondänen Baiae auf ein Fest einladen zu lassen – viel Lesespaß ist hier garantiert.
Karl-Wilhelm Weeber: Pompeii und die römische Goldküste. Ein Zeitreiseführer in das Jahr 78. Darmstadt, Primus Verlag (WBG), 2011, 143 Seiten.
ISBN: 978-3896788054
Linktipps
Wer nicht nur gern liest, sondern auch selbst schreibt, findet auf Skriving interessante Anregungen. Schreibtipps gibt es im Internet zwar wie Sand am Meer, aber viele laufen darauf hinaus, die relativ einförmigen und austauschbaren Stilelemente einzuüben, von denen gerade Unterhaltungsromane heute stark geprägt sind. Auf Skriving ist das ein wenig anders, denn hier finden sich neben schreibtechnischen Empfehlungen (wie den Wochen-Schreibtipps) vor allem charmante Ideen, wie man Inspiration suchen und finden kann – etwa indem man in abstrakten Bildern etwas Konkretes zu erkennen versucht und darüber schreibt, was, wie sich hier und hier zeigt, zu sehr unterschiedlichen Interpretationen führen kann …
Und zu guter Letzt noch ein unliterarischer Tipp, der nach all der geistigen Nahrung für das leibliche Wohl sorgt: Nach wiederholten Selbstversuchen kann ich bestätigen, dass Moyas Earl Grey Cookies zu den leckersten Keksen gehören, die man backen kann, ganz abgesehen davon, dass sich das Rezept in seinem liebevollen Plauderton auch ausgesprochen nett liest.
Neu rezensiert: Zeit. Eine Kulturgeschichte
Mehr Zeit hätten wir sicher alle gern, und so ist es doch eigentlich höchst erfreulich, dass sich in Form von Alexander Demandts Spaziergang durch die Kulturgeschichte zusätzliche Zeit ganz einfach im Buchladen erwerben lässt. Womit genau sie gefüllt ist, kann man in der neuen Rezension herausfinden.
Werbung in eigener Sache: Greifen, Grabraub und Gelichter
Seit dem Erscheinen von Tricontium sind mittlerweile zweieinhalb Jahre vergangen – höchste Zeit also, den nächsten Ausflug nach Aquae Calicis und Umgebung zu unternehmen!
Mein neues Buch Greifen, Grabraub und Gelichter ist ab sofort im Handel. Diesmal ist es allerdings kein Roman geworden, sondern eine Sammlung kürzerer Geschichten:
Kleine Greifen haben ein gutes Gespür dafür, wo Futter und Wärme zu finden sind – und das kann nicht schaden in einer Welt, in der Kriegerinnen und Diebe gleichermaßen gefährlich leben, kein einziges Weihnachtsfest in frommer Besinnlichkeit verläuft und auch die Totenruhe nicht ungestört bleibt, wenn es nicht umgekehrt die Toten selbst sind, die gerade die Ruhe stören … Fünf Geschichten laden ein zu einem Ausflug (nicht nur) nach Aquae Calicis.
Auch wenn einige Texte ein Wiedersehen mit alten Bekannten bieten, setzt die Lektüre der Anthologie die Kenntnis von Tricontium nicht voraus, sondern nur die Bereitschaft, sich mit kleinen und großen Greifen anzufreunden, vor Kirchendiebstahl ebenso wenig zurückzuschrecken wie vor Wikingerüberfällen und unsachgemäße Ausgrabungen an einem steppennomadischen Kurgan aus der Perspektive einer Grabbeigabe zu erdulden. Für reichlich Tee, Verpflegung und Gespenster ist selbstverständlich wie immer gesorgt.
Greifen, Grabraub und Gelichter ist bei BoD erschienen und als Taschenbuch (ISBN: 978-3739220130, 8,99 EUR) oder als eBook (ISBN: 978-3739286013, in den nächsten 28 Tagen: Aktionspreis 4,99 EUR, danach 5,99 EUR) erhältlich.
