The Amazons

Neu rezensiert: The Amazons

Dem wahren Kern von Sagen nachzuspüren, ist verlockend, in vielen Fällen aber auch fruchtlos. Adrienne Mayor beweist, dass es nicht immer so sein muss, und zeigt in The Amazons auf, inwieweit in der griechischen Amazonenüberlieferung neben viel Phantasie auch ein spannendes Stück historischer Wirklichkeit steckt. Zur neuen Rezension geht es hier entlang.

Zeichnen für verkannte Künstler

Neu rezensiert: Zeichnen für verkannte Künstler

Kunst- und Zeichenratgeber gibt es viele, aber garantiert kaum einen, der einen so zum Lachen bringt wie Zeichnen für verkannte Künstler. Wer Interesse daran hat, seine kreativen Ziele mit der hier vermittelten und zugegebenermaßen unschlagbaren „Einfach-Drauf-Los-Methode“ zu erreichen, sollte unbedingt einen Blick in die neue Rezension werfen.

Attila

Neu rezensiert: Attila. Der Schrecken der Welt

Dass Geschichte nicht trocken und nüchtern dargeboten werden muss, sondern spannend wie ein Roman sein kann, beweist Klaus Rosen in seiner brillant geschriebenen Biographie Attila. Der Schrecken der Welt, die neben dem berühmten Hunnenkönig auch die politschen Strukturen der Spätantike vorstellt und überzeugend deutet. Alles Weitere darüber in der neuen Rezension.

Montagsfrage 8

Die heutige Montagsfrage bei Buchfresserchen lautet:

Hat sich dein Leseverhalten durch die fortschreitende Digitalisierung verändert?

Eigentlich wollte ich darauf nur eine kurze Antwort verfassen, die sich auf den Hinweis beschränkt hätte, dass ich durch Rezensionen und Leseproben im Internet auch auf Bücher aufmerksam werde, die mir nicht unbedingt als Zufallsfunde im Buchladen begegnet wären.

Doch die Lektüre einiger anderer Antworten – nicht zuletzt derjenigen der Fragestellerin selbst – hat mich recht betroffen gemacht, da sie einen Eindruck bestätigt, den man in den letzten Jahren schon im persönlichen Gespräch oder anhand der Wertungskriterien in Buchbesprechungen gewinnen konnte: Zahlreiche Leser scheinen lange Bücher inzwischen bereits allein aus dem Grunde abzulehnen, dass sie zu lang sind (und vielleicht auch, je nach Geschmack, als zu ereignisarm empfunden werden). Zum Glück scheint es nicht allen Bloggern so zu gehen, aber doch erstaunlich vielen.

Neben individuellen Gründen werden dafür durch das Internet veränderte Lesegewohnheiten verantwortlich gemacht – mangelnde Konzentrationsfähigkeit bei längeren Texten ebenso wie das Bedürfnis nach schneller Abwechslung, die Tendenz, scheinbar Uninteressantes nur zu überfliegen, die Anpassung der Buchauswahl an die Erfordernisse des eigenen Blogs und dergleichen mehr. Von Buchfresserchen wird dabei die Zahl von 500 Seiten als Grenze genannt, jenseits derer Bücher für sie nicht mehr attraktiv seien.

Ich schwanke immer noch zwischen Unverständnis und Bekümmerung angesichts dessen, dass diese Erfahrung anscheinend keinen extremen Einzelfall darstellt. Wahrscheinlich muss ich nicht erst betonen, dass es mir anders geht und dass ich gerade bei Romanen umfangreiche Bücher besonders mag. Sehr häufig erscheinen mir darin die Figuren und imaginierten Welten besser ausgearbeitet, und außerdem gefällt es mir, wenn ein Buch lange hält und nicht in ein paar Stunden durchgelesen ist.

Um diese Selbsteinschätzung zu überprüfen, habe ich die Probe aufs Exempel gemacht und spontan die ersten 40 Romane aus dem Regal gezogen, die mir bei der Frage einfielen, welche Geschichten irgendwann besonders großen Eindruck auf mich gemacht haben.

Hier ist die nicht repräsentative Stichprobe, von Weltliteratur bis hin zu guilty pleasures, quer durch alle Genres, mit bekannteren und unbekannteren Einträgen (Seitenzahl jeweils in Klammern):

Katherine Allfrey: Die Trojanerin (240)
Jane Austen: Stolz und Vorurteil (393)
Frans G. Bengtsson: Die Abenteuer des Röde Orm (596)
Hjalmar Bergman: Skandal in Wadköping (411)
Carol Berg: Tor der Verwandlung (597)
Mary E. Braddon: Lady Audleys Geheimnis (528)
Birgit Brandau: Der Sieger von Kadesch (252)
Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr Norrell (1006)
Wilkie Collins: Die Frau in Weiß (649)
Alexandre Dumas: Les Trois Mousquetaires (553)
Dorothy Dunnett: Das Königsspiel (644)
John Erskine: Ich, Helena von Troja (376)
Patricia Finney: Die Spur des Einhorns (593)
Jean Giono: Jean le Bleu (219)
Heide Solveig Göttner: Die Priesterin der Türme (426)
Xavier Hanotte: Von verschwiegenem Unrecht (459)
Robin Hobb: Der Weitseher (622)
Yasushi Inoue: Der Tod des Teemeisters (164)
Michael Kuhn: Marcus – Soldat Roms (293)
Otto Lendle: Die Söldner des Kyros (348)
Alain-René Lesage: Gil Blas de Santillane (982)
Allesandro Manzoni: Die Verlobten (750)
Rosemarie Marschner: Der Sohn der Italienerin (556)
Anita Nair: Das Salz der drei Meere (364)
Petra Oelker: Der Sommer des Kometen (312)
Ellis Peters: Brother Cadfael’s Penance (273)
Kathleen Robinson: Dominicus (510)
Kate Ross: Die Teufelsarie (636)
Matt Ruff: Fool on the Hill (575)
Martin Schemm: Der Goldschatz der Elbberge (552)
Rosemary Sutcliff: The Lantern Bearers (306)
Dies.: Sword at Sunset (495)
Josephine Tey: Alibi für einen König (221)
J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings (1008)
Martin Walker: Bruno, Chef de Police (339)
Uwe Westfehling: Tanz der Dämonen (674)
Megan Whalen Turner: The King of Attolia (385)
Christoph Martin Wieland: Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva (450)
Ders.: Geschichte des Agathon (599)
Richard Yates: Zeiten des Aufruhrs (544)

Natürlich hätte ich noch weitere Romane finden können, die ich sehr gern gelesen habe, und es hat mich selbst erstaunt, auf der Liste nichts von Theodor Fontane, Robert Merle oder Guy Gavriel Kay zu finden – aber ich bin ganz nach den ersten Ideen gegangen. Das Ergebnis meiner willkürlichen Auswahl: Exakt die Hälfte der Bücher liegt in der Seitenzahl oberhalb der magischen Grenze von 500 Seiten, teilweise deutlich, und von den Übrigen sind auch noch einige recht nahe daran. Kurze Romane sind eher unterrepräsentiert.

Wenn ich davon ausgehe, dass bei meinen übrigen Lieblingsbüchern das Verhältnis von langen und kurzen Texten relativ ähnlich ist, wird aus dem Staunen über die weitverbreitete Ablehnung längerer Bücher Leser allmählich echte Bestürzung. Die Vorstellung, ich wäre einem ähnlichen Auswahlkriterium gefolgt wie so viele Blogger und hätte dadurch vielleicht die Hälfte der für mich spannendsten und unterhaltsamsten Romane niemals gelesen, ist erschreckend. Deshalb ein Appell an alle bekennenden Verächter langer Bücher: Springt über euren eigenen Schatten, nehmt euch die Zeit für einige davon und übt das Lesen umfangreicher Texte! Wer sich nie über Seite 500 hinauswagt, dem entgeht ungeheuer viel.

Die Ritter

Neu rezensiert: Die Ritter

„Ritter“ – das dürfte die erste Assoziation sein, die vielen Menschen beim Stichwort „Mittelalter“ in den Sinn kommt. An Werken, die sich mit dem historischen Rittertum oder mit den Rittern der höfischen Literatur befassen, mangelt es dementsprechend nicht. Karl-Heinz Götterts Buch ist dennoch etwas Besonderes, da es beide Aspekte – den realen wie den fiktiven Ritter – in einer überzeugenden Gesamtdarstellung würdigt. Zur neuen Rezension geht es hier entlang.

Liebe in den Zeiten der Römer

Neu rezensiert: Liebe in den Zeiten der Römer

Liebe und Sexualität gab es selbstverständlich auch in der Römerzeit, doch der Umgang der Forschung damit ist bis heute nicht unverkrampft. Moralische Bedenken und die Überbetonung von Fremdheit und Distanz führen oft zu einem Zerrbild. In Liebe in den Zeiten der Römer leistet Günther Emerich Thüry daher Aufklärungsarbeit im besten Sinne. Mehr darüber in der neuen Rezension.