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Neu rezensiert: Heartstone

Stolz und Vorurteil und Drachen? Das hätte durchaus nett werden können – doch ein paar Fabelwesen und ein kräftiger Schuss Gewalttätigkeit allein machen die Handlung von Jane Austens Klassiker nicht unbedingt besser … Wer dennoch neugierig auf Elle Katharine Whites Heartstone ist, erfährt in der neuen Rezension, was es mit dem Roman auf sich hat.

Neu rezensiert: Thick as Thieves

Abenteuer und Gefahren, eine unwahrscheinliche Freundschaft zwischen gegensätzlichen Gefährten, historische Anspielungen und mehr als nur ein Hauch von Gilgamesch: Megan Whalen Turner legt mit Thick as Thieves wieder einmal einen klugen und sehr lesenswerten Fantasyroman vor, der nicht nur Antikenfans begeistern dürfte. Die neue Rezension ist hier zu finden.

Neu rezensiert: Swordheart

Nach dem Zweiteiler Clocktaur War ist T. Kingfisher mit dem Eingangsband einer in derselben Welt angesiedelten Trilogie zurück: Swordheart erzählt unterhaltsam, wenn auch mit gewissen Schwächen, wie eine Witwe in Nöten sich in einen durchaus etwas ungewöhnlichen Krieger verliebt. Zur neuen Rezension geht es hier entlang.

Der Dank für die Lektüreempfehlung geht übrigens an Simone Heller, die als Miss Navigator sehr lesenswert über Bücher und Geschichten bloggt.

Lesetipps in Kurzform 6 (Lesenswertes online)

Buchrücken (Symbolbild Lesetipps)

Foto: © Maike Claußnitzer

Während Süddeutschland im Schnee versinkt, herrscht hier im Norden gleichermaßen mildes wie trübes Novemberwetter im Januar, gelegentlich auch mit Sturm und Regen. Beste Lesebedingungen also, so dass es einmal wieder Zeit wird, sich umzusehen, welche lesenswerten Geschichten online frei zugänglich sind. Auf in die englischsprachige Welt der Fantasy!

Maria Haskins – Hand Me Downs

Frisch in diesem Januar im Onlinemagazin GigaNotoSaurus erschienen ist diese sympathische Geschichte um einen großen Lebenstraum, alltäglichen Rassismus, Familienreibereien und Freundschaft. Tilda, ein Trollmädchen im heutigen Kanada, hofft auf eine große Tanzkarriere. Doch was auf dem Weg dorthin von ihr verlangt wird, konfrontiert sie mit tiefsitzenden Vorurteilen, die selbst Menschen hegen, die es gar nicht böse mit ihr meinen, und lässt sie fast daran verzweifeln, ihre Wünsche, die Forderungen ihrer Tanzlehrerin und die Empfindlichkeiten ihrer eigenen Familie unter einen Hut zu bringen. Als dann auch noch ihre geliebte Großmutter und ihre beste Freundin Irene beginnen, sich seltsam zu verhalten, scheint guter Rat teuer …
Anders als sonst viel zu oft in der Fantasy ist Hand Me Downs keine Erzählung, die mit Blutvergießen und Action oder einer großen Weltenrettung zu punkten versucht. Stattdessen werden hier ganz realistische Themen wie Einwandererschicksale, der Umgang mit Behinderung und das Verfolgen persönlicher Ziele um eine phantastische Komponente bereichert. Obwohl Haskins den Trollen durchaus die Unheimlichkeit lässt, die sie auch in ihren mittelalterlichen Ursprungssagen besitzen, gewinnen sie hier ein sehr menschliches und herzerwärmendes Gesicht. Nur für Fans von Griegs Peer-Gynt-Suite könnte die Lektüre sich eher traurig gestalten …

Judith Tarr – Dragon Winter

Aus derselben Zeitschrift stammt auch diese Geschichte, die sich gar nicht stärker von der ersten Leseempfehlung unterscheiden könnte: Hier sind zahlreiche klassischen Fantasymotive von der scheinbar unüberwindlichen Bedrohung über furchterregende Ungeheuer bis hin zur unwahrscheinlichen Retterin der Gemeinschaft vereint, aber originell interpretiert. In einer mythischen, altgriechisch inspirierten Welt lebt Charis in einer Siedlung, die sich alljährlich gegen die Angriffe kriegerischer Nomaden verteidigen muss. Es gibt durchaus ein bewährtes, wenn auch riskantets Abwehrmittel, doch wie lange es noch vorhalten wird, ist fraglich. Ausgerechnet Charis‘ Mann Deion versucht sich daher unerlaubt an einem Experiment und wird in die Verbannung geschickt. Unterdessen rückt die Gefahr unaufhaltsam näher …
Neben den Figuren, deren Beziehungen feinfühlig ausgelotet werden, überzeugt hier vor allem die liebevolle Ausgestaltung der Welt. Mit dem Aussäen von Drachenzähnen greift Tarr ein spannendes Element der Argonautensage auf, und ihre Darstellung der Konflikte zwischen Sesshaften und Nomaden beweist, dass sie sich nicht nur mit der Mythologie, sondern auch mit der tatsächlich Vor- und Frühgeschichte des eurasischen Raums gut auskennt. Besonders gelungen ist daneben die Schilderung der Echsen, die, wie schon der Titel verrät, eine prominente Rolle spielen. Solch saurierhafte Drachen findet man selten.

Sharon J. Gochenour – About a Goat

Nicht in eine phantantastisch abgewandelte Vergangenheit, sondern in eine düstere, aber mit viel schwarzem Humor betrachtete Zukunft entführt dagegen diese kurze Geschichte, in der es ebenso brutal wie konsequent zugeht. Khazar, der Leiter eines Flüchtlingslagers, findet auf recht unersprießliche Art heraus, dass es seine Tücken hat, sich mit einer Ziege anzulegen – ob nun ganz handfest auf physischer Ebene oder telepathisch …
Trotz der Kürze des Texts wird hier ein übersprudelnder Weltenbau geboten und gelungen aus der Sicht einer nichtmenschlichen Hauptfigur bis hin zur ebenso boshaften wie komischen Schlusspointe erzählt.

Wer noch mehr lesenswerte englischsprachige Fantasy sucht: Ältere Lesetipps zum Thema sind hier und hier zu finden.

Lesetipp: When We Were Starless

Wer schon länger auf Ardeija.de mitliest, weiß, dass ich 2017 mit How Bees Fly bereits eine englischsprachige Geschichte von Simone Heller empfohlen habe. Mittlerweile ist sie wieder in dieselbe postapokalyptische Welt voller Echsen, verseuchter Landschaften und geheimnisvoller Artefakte aufgebrochen.

When We Were Starless führt allerdings aus der relativ sicheren Umgebung der befestigten Siedlungen fort ins Dasein von Hirtennomaden, die mit mechanischen Spinnen durch Gebiete streifen, in denen hungrige Riesentausendfüßler nur eine Bedrohung unter vielen darstellen. Viel furchteinflößender sind die Geister, Überreste einer untergegangenen Zivilisation, und ausgerechnet mit ihnen bekommt es die Kundschafterin Mink zu tun, als ihr Stamm in einem Gebäude aus alten Zeiten nach verwertbarem Rohmaterial sucht. Eigentlich ist das eine Herausforderung, die Mink problemlos meistern sollte – schließlich ist sie im Geisterbannen erfahren. Was aber, wenn ein Geist sich als ganz anders erweist als alle, denen man bisher begegnet ist? Pflichterfüllung, Notwendigkeit und eigene Wünsche lassen sich für Mink bald nicht mehr unter einen Hut bringen, während eine äußere Bedrohung unaufhaltsam näherrückt …

Was When We Were Starless zu einer originellen Lektüre macht, ist vor allem die Mischung aus leicht düsterer Science Fiction und Elementen traditioneller Erzählformen, von volkstümlichen Geschichten bis hin zur klassischen Fantasyliteratur. Das hier durchaus rational erklärte Märchenmotiv des außerhalb des Körpers verwahrten Herzens spielt ebenso eine zentrale Rolle wie die an gleich zwei Figuren in unterschiedlicher Form durchgespielten Opferbereitschaft einer Mentorengestalt, und der Reiz einer im Prinzip hochtechnisierten, aber in archaischen Erklärungsmustern verhafteten Gesellschaft wird bis zur Neige ausgekostet. Besonders Weltraumfans, die sich gern zu den Sternen träumen, werden ihre Freude am Verlauf von Minks Abenteuer haben (und auch so einiges aus der realen Welt wiedererkennen).

Wer neugierig geworden ist, findet hier den Link zu When We Were Starless – sowohl der Text selbst als auch eine Audiofassung stehen online frei zur Verfügung. Am besten ist es aber, beide Geschichten in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen, denn sie ergänzen sich gegenseitig und beleuchten die Frage nach dem Umgang mit überkommenen Traditionen, der Wahrnehmung von Technik und nicht zuletzt dem Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft auf eine Art, die erst in der Zusammenschau ein großes Ganzes ergibt.

Lesenswert ist in diesem Kontext übrigens auch der Blogbeitrag der Autorin zu ihrer Erzählung, in dem sie Inspirationsquellen und Hintergründe der Geschichte näher erläutert.

Neu rezensiert: The Darkening Age

Zugegeben: Als Mediävistin ist man immer negativ voreingenommen, wenn ein Buch den Übergang von der Antike ins Mittelalter primär als Abgleiten in ein finsteres Zeitalter schildert. Dennoch war ich eigentlich bereit, mich von Catherine Nixeys The Darkening Age eines Besseren belehren zu lassen. Den Prozess der Christianisierung gewissermaßen aus der Perspektive der Verlierer zu erzählen, klingt schließlich nach einem interessanter Ansatz. Warum seine Umsetzung zu wünschen übrig lässt, erklärt die neue Rezension.

Neu rezensiert: The Idylls of the Queen

Romane um den Artushof gibt es seit dem Mittelalter in Hülle und Fülle, aber vermutlich sind nur wenige darunter, die als waschechter Krimi angelegt sind. Phyllis Ann Karrs schon 1982 zum ersten Mal erschienene Idylls of the Queen bieten aber genau das: eine Mordermittlung in einer verzauberten Märchenwelt, deren Wertvorstellungen augenzwinkernd hinterfragt werden, ohne dass die Kulisse dadurch ihren Charme einbüßt. Die neue Rezension ist hier zu finden.

Neu rezensiert: The Golden City

Eine geheimnisvolle Wüstenstadt mit nur einer einzigen Bewohnerin, mechanische Pferde, magische Parallelwelten und vor allem kluge Beobachtungen zu menschlichen Eigenheiten und Beziehungsgeflechten: Sharon J. Gochenours Fantasyroman The Golden City hat viel Lesenswertes und Unerwartetes zu bieten. Mehr über das spannende Buch in der neuen Rezension.

Neu rezensiert: Monsters

Die Schöne und das Biest mit zwei Männern in der Hauptrolle irgendwo zwischen Taiga und eurasischer Steppe, eingebettet in reichlich Sozialkritik einerseits und fiktive literaturhistorische Untersuchungen andererseits? Was sich als Grundidee zunächst ein bisschen schräg und ungewöhnlich anhören mag, ergibt in Sharon J. Gochenours Monsters eine spannende und lesenswerte Erzählung. Mehr darüber in der neuen Rezension.